Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Das Lebewesen und der "Halbgeschlechtszustand" | 1679. Aber all die irdische und überirdische Herrlichkeit dieser Welt wäre eine Unmöglichkeit ohne das "höchste Feuer". Und dieses "Feuer" hätte überhaupt keinen Wert, wenn es sich nicht als Kreislauf gestalten würde, wie auch dieser Kreislauf eine Unmöglichkeit wäre, wenn er nicht als ein Produkt der abwechselnden Halb- und Ganzgeschlechtsformung existierte. Da die Erdenmenschen gemeinsam mit sozusagen allen anderen Wesen auf der Erde "Halbgeschlechtswesen" sind, beherrscht dieser Geschlechtszustand ganz natürlich das Bewusstsein der irdischen Wesen. Das Bewusstsein oder die Lebenssphäre der Erdenmenschen repräsentiert also ein Stadium im kosmischen Kreislauf, das die "Halbgeschlechtssphäre" genannt werden kann. Die Wesen sind der Körperstruktur nach, wie schon erwähnt, vorläufig "Halbgeschlechtswesen". Diese organische Struktur bestimmt ihre Lebensauffassung, ihre Moral, ihre Sitten und Gebräuche. Die erwähnte Halbgeschlechtsstruktur bedingt, wie dem Leser schon bekannt ist, mit ihrer sexuellen Pol-Konstellation im Lebewesen eine Einschränkung des Lebenserlebens. Sie bringt die ursprüngliche kosmische Erlebensfähigkeit des Wesens zu einem latenten Zustand hinab, so dass das Wesen völlig außer Stand ist, sein Wissen über und seine Wahrnehmung von seinem eigenen unsterblichen und ewigen kosmischen Zustand und dem hiermit verbundenen übrigen Wissen über die wahre Struktur des Universums und der Gottheit zu bewahren. Aber eine solche organisierte, stufenweise Einschränkung des Lebenserlebens oder des Bewusstseins ist ja dasselbe wie "im Sterben zu liegen". Der "Halbgeschlechtszustand" fördert infolgedessen den "Tod". Ein "Halbgeschlechtswesen" zu sein, ist dasselbe wie das Erleben davon, "den Tod zu sterben" oder die biblische Verkündigung über die Nachwirkungen vom "Genuss vom Baum der Erkenntnis" zu erleben. Sagte Gott nicht eben zu den ursprünglichen Wesen im "Garten Eden", dass sie den "Tod sterben" sollten, weil sie vom "Baum der Erkenntnis" genossen hatten? – Aber glaubt man, dass sie eine "Strafe" erleiden sollten? – Sollte man glauben, dass es ein Racheakt von Seiten der Vorsehung war? – Sollte man glauben, dass die allliebevolle, alles durchdringende Gottheit in Affekt geraten war, in einen Zustand von Unausgeglichenheit wie ein hitziger Mensch, der über seinen Nächsten flucht und ihn verdammt oder seine Wut in noch drastischerer Art und Weise an seiner Umgebung auslässt? – Ja, es kann nicht geleugnet werden, dass man in großem Ausmaß innerhalb der Weltreligionen die Finsternissphäre der Wesen so auffasst. Man ist viel zu parteiisch zum Licht eingestellt, um die Finsternis gerecht, kalt und nüchtern beurteilen zu können. Man versteht folglich nicht, dass die Finsternis ein ebenso wichtiges Glied im Schöpfungsprozess ist wie das Licht und dass das Lebenserleben vollkommen unmöglich wäre, wenn die Finsternis nicht existierte. Man versteht deshalb nicht, dass die biblische Paradiesgeschichte eine okkulte Erzählung über Gottes Segen oder die Einweihung der Wesen im Paradies zum kommenden Erleben der physischen Welt oder der Winterzone des kosmischen Spiralkreislaufs enthält. Dieser Segen ist später als "Sündenfall" mit daraus folgender "Verfluchung" und "Strafe" von Seiten einer erzürnten und erbosten Gottheit aufgefasst worden. Aber wird uns nicht gerade von der Einweihung des "Halbgeschlechtszustands" im Bericht über Gottes Schöpfung von "Eva" oder der "Frau" erzählt? – Was ist das für eine Operation, die mit "Adam" vorgenommen wird? – Er verlor eine "Rippe", aus welcher die "Frau" entstand. Mit der "Frau" kamen der "Sündenfall", das "Vertreiben aus dem Paradies", die "Verfluchung der Erde" und das schmerzhafte Gebären der Kinder sowie überhaupt alle Formen von Leiden ins Dasein. Mit dieser Operation im Paradies wurde also der Weg in die Finsternis, in die kosmische Bewusstlosigkeit und der hieraus entstandenen "Todessphäre" oder "Hölle" geöffnet. |
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