Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Was in dem Begriff "die Schöpfung Evas" verborgen liegt | 1709. Von einem sexuell doppelpoligen Wesen aus, von einem überirdischen oder himmlischen Wesen außerhalb des "männlichen" und "weiblichen" Geschlechtszustands aus, das organisch dazu erschaffen war, "seinen Nächsten zu lieben", begann Adam nun kraft der oben erwähnten Veränderung ganz langsam ein Wesen zu werden, das nicht mehr alles und jeden, sondern nur etwas ganz speziell Lebenswichtiges lieben konnte, das seine ganze Gunst erhielt, während alles, was in seiner Umgebung nicht hierzu zählte, als Unannehmlichkeit, als ein Hindernis für die Existenz seines eigenen Lebens betrachtet wurde und deshalb bekämpft werden musste. Der liebenswerte Adam oder das himmlische Wesen, das früher die Lebewesen liebte und ihnen Namen gab und in paradiesischer Schönheit und Harmonie mit ihnen lebte, war zu einem hassenden und verfolgenden Wesen geworden. Sein Leben war ein "Essen vom Baum der Erkenntnis" oder eine Lebensart geworden, die alle existierenden Formen von unglücklichen Schicksalen erzeugen musste, die ihm aber andererseits allmählich die Fähigkeit geben sollte, zwischen "Gut" und "Böse" unterscheiden zu können. Dieses neue Wesen oder dieser verwandelte Adam war im absoluten Sinne das Wesen, das mit dem Begriff "Eva" bezeichnet wird. Es ist während Jahrtausenden zu einer sehr verstockten Auffassung geworden, dass "Eva" nur eine Bezeichnung für die "Frau" oder für das Wesen "weiblichen" Geschlechts ist, aber diese Auffassung entspricht keineswegs dem Problem. Nach der "Schöpfung Evas" existierte "Adam" überhaupt nicht mehr in seiner gewohnten Form. Er hatte ja seine "Rippe" verloren, d.h. sein sexuelles Polvermögen. Er war ebenso wie "Eva" ein "einpoliges" Wesen geworden. Um dies völlig zu verstehen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass "Adam" im Paradies nicht als das einzige Wesen seiner Art existierte. Ebenso wie alle anderen Wesen, jedes für sich, einer Schar, einer Rasse oder Art angehören, die aus Myriaden von Individuen besteht, gehörte auch "Adam" zu einer Rasse oder Art, die aus Myriaden von Individuen bestand. Diese Individuen waren also für den Entwicklungsprozess reif, der in der Bibel den Namen "die Schöpfung Evas" bekommen hat. Sie waren in ihrem kosmischen Spiralkreislauf zu einem Stadium gekommen, wo ihr weiteres ewiges Dasein nur dank der Erschaffung einer ganz neuen Lebensweise oder einer neuen Wesensart gefördert werden konnte, einer Wesensart, die also ein vollständiger Gegensatz oder Kontrast zu dem sein musste, was ihr Leben oder ihre Erlebensform im Paradies war. Eine Lebensweise oder ein Lebenserleben kann jedoch nur auf Organen basieren, da jederlei Lebenserleben ausschließlich als organische Funktion existieren kann. "Die Schöpfung Evas" war also dasselbe wie die Verwandlung des Wesens von einer Lebensform in eine andere. Diese Verwandlung bestand aus einer Umwandlung der Organe für die sympathischen Anlagen des Individuums. Bei der Art oder Rasse, die dem Begriff "Adam" in Wirklichkeit entspricht, geschah es, dass der maskuline Pol bei einigen Wesen stagnierte, d.h. in seiner Entwicklung zurückgehalten wurde, was die Entwicklung des femininen Pols förderte, der zum dominierenden oder alles bestimmenden Faktor im Leben oder in der Wesensart des Wesens wurde. Ein solches Wesen wurde zu einem Wesen "weiblichen" Geschlechts, das in seinem höchsten Hervortreten als ein Wesen kulminiert, das wir die "Frau" nennen und das aufgrund mangelnden Wissens als "Eva" aufgefasst wurde. Aber das Prinzip die "Frau" oder das "weibliche" Geschlecht kann unmöglich dem entsprechen, was in Form der "Schöpfung Evas" geschah oder was darin verborgen liegt. Wenn "Adam" weiterhin dasselbe Wesen geblieben wäre, würde die "Frau" oder das "weibliche" Geschlecht, sexuell gesehen, ein ebenso fremdes und gleichgültiges Wesen in "Adams" Leben geworden sein wie jedes andere der vielen Wesen im Garten. Es hätte einen größeren Unterschied zwischen "Adam" und "Eva" gegeben als zwischen Menschen und Tieren. "Eva" wäre ein Wesen gewesen, das einer Wesensart angehörte, mit der zusammen es für "Adam" eine physische Unmöglichkeit gewesen wäre, eine innere intime seelische Auslösung zu haben. Diese zwei Wesen hätten unmöglich das göttliche Gebot erfüllen können, "ein Fleisch" zu werden. Wie sollte Adam, der in seinem paradiesischen Zustand nicht "männlichen" Geschlechts war, Freude an einem Wesen "weiblichen" Geschlechts haben können? – Und welchem Zweck sollte die Schöpfung eines Wesens "weiblichen" Geschlechts dienen, wenn keine "männlichen" Geschlechtswesen existierten? – Müssten diese Wesen in einem solchen Fall nicht gerade zu einer andauernden Qual erschaffen worden sein, d.h. einem ewigen, unaufhörlichen Verlangen, wofür es absolut keine Befriedigung gab, zum Hunger, der unmöglich gesättigt werden konnte? – Und wenn "Adam" ein vollkommen "männliches" Geschlechtswesen, ein "Mann" wäre, müsste sein Zustand im Paradies ja auch ein Erleben von andauerndem Hunger gewesen sein, der nicht gesättigt werden konnte, da es ja keine "Frauen" oder "weibliche" Geschlechtswesen in dieser Sphäre gab. Das Paradies müsste in diesem Fall die "Hölle" des Universums sein und das physische Dasein hier auf der Erde sein "Himmelreich". Aber dies ist ja gerade das Gegenteil der Realitäten, ist das Gegenteil des Beschlusses Gottes. Verkündigte er nicht "Adam" und "Eva", dass die Erde verflucht und voller Kummer und Schmerz, sowohl für "Adam" als auch für "Eva", sein sollte? – Sie sollte ihre Kinder mit Schmerzen gebären und er sollte nur im Schweiße seines Angesichts essen oder sich seine Nahrung oder sein Brot verschaffen können. Zu glauben, dass "Adam" im Paradies ein "Mann" oder ein "männliches" Geschlechtswesen war, ist Aberglaube, der sich nur durch maskuline Propheten einbürgern und Anhänger finden konnte, die in einem allzu dominierenden Ausmaß die Wesen ihres eigenen Geschlechts als die Herren der Schöpfung verehrt haben und für welche die "Frau" eigentlich nur dazu erschaffen war, Sklavin zu sein. Was hält man von der Haremsfrau? – Ist sie nicht Sklavin in Reinkultur, was ihren sexuellen Polzustand oder ihre weibliche Natur betrifft? – Was hat sie denn hier für eine Freiheit? – Ist die "Frau" nicht Jahrtausende lang in Unwissenheit, sexueller Sklaverei und Geringachtung von Seiten des sogenannten "starken Geschlechts" unterdrückt worden, da es diesem Geschlecht leicht fiel, kraft der maskulinen körperlichen Überlegenheit oder Stärke im Verhältnis zum physischen, körperlichen Zustand der "Frau" das dominierende zu werden? – Und sollte man nicht glauben, dass diese Dominanz daran schuld ist, dass die "Schöpfung Evas" nur als ein Ereignis geschildert wird, das nur für den "Mann" vorteilhaft ist, also eine Torheit, die genauso unerhört unwahr und weit von der Wirklichkeit entfernt ist, wie überhaupt nur möglich. Zu glauben, dass "Adam" im Paradies ein "Mann" oder ein "männliches" Geschlechtswesen war, ist also ein Aberglaube und eine Selbstverherrlichung, denen ein viel späteres Wesen unterlag, nämlich der in das "männliche" Geschlechtswesen verwandelte "Adam" oder jenes Wesen, das heute auf der physischen Ebene als der "Mann" dominierend ist. "Adam" und der "Mann" unterscheiden sich genauso wie "Adam" und die "Frau". Von der "Schöpfung Evas" an existierte "Adam" in Wirklichkeit nicht mehr. Das Wesen, das wir heute den "Mann" nennen, ist ebenso ein Produkt der "Schöpfung Evas", wie die "Frau" ein Produkt dieses Prozesses ist. So wie "Eva" in der Form eines einpoligen Wesens eine Fortsetzung von "Adams" Existenz wurde, wurde auch der "Mann" akkurat auf die gleiche Weise in Form eines einpoligen Wesens nur eine Fortsetzung von "Adams" Existenz. Während der maskuline Pol jedoch bei der "Frau" gebunden und der feminine Pol frei war, war es also umgekehrt beim "Mann". Hier war der feminine Pol gebunden und der maskuline frei. Und die Wesensart, die mit dem Begriff "Adam" im Paradies bezeichnet wurde, existierte nicht mehr. Diese Art eines überirdischen oder geistigen Wesens, das über das "männliche" und "weibliche" Geschlecht erhaben war, wurde zu einem in diesen beiden Lebensformen gebundenen, irdischen, physischen Wesen. |
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