Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Trotz Verfolgung, Strafe, Verleumdung und Schande hat die sexuelle Entwicklung die Einsperrung tausendjähriger moralischer Vorstellungen durchbrochen | 1737. Wo und von wem wird nun die sexuelle Organfunktion ihrer reinen Göttlichkeit nach bewertet und verwertet? – Ist diese Funktion innerhalb der Ehe makellos, wo sie in gewissem Ausmaß von den Wächtern der Moral, der Geistlichkeit, als Gottes Wille toleriert und anerkannt wird? – Nein, wir brauchen hier nicht den Kummer und die Leiden der Ehesphäre wiederholen, die wir schon in früheren Abschnitten des "Livets Bog" beschrieben haben und als "die Zone der unglücklichen Ehen" bezeichnen mussten. Keine Tatsache ist wohl so dominierend wie die, dass weder Kirche, Zuchthaus noch Entehrung diese Flucht des sexuellen Lebens aus all den üblichen tausendjährigen Gelassen oder Stauungen der Moralvorstellungen verhindern konnten. Das sexuelle Leben ist heute mit einem Fluss zu vergleichen, der die Dämme durchbrochen hat und aus seinem millionenjährigen Flussbett als physisches Befruchtungsorgan ausgebrochen ist. Alle menschlichen Versuche waren völlig außerstande, die sexuelle Entwicklung oder die Polverwandlung im Erdenmenschen mit Moralvorschriften, Freiheitsberaubung und Strafe sowie mit Schande – dem Erfolg von Klatsch und Verleumdung – zu hindern. All dieses bildete eine Zwangsjacke oder Mauer um die tausendjährigen, aber längst veralteten, sexuellen Dogmen herum. Ja, diese ganze Galerie von Widerstandskraft gegen die normale und offensichtliche Entwicklung des sexuellen Prinzips ist längst von der inneren psychischen Kraft, die die sexuelle Entwicklung im Menschen an sich ausmacht, aus ihren Rahmen gesprengt worden. Das sexuelle Leben durchbricht überall die Dämme der dogmatischen Moral. Keine menschliche Macht kann das verhindern. Es wird deshalb am klügsten sein, sich darauf einzustellen, dass dem göttlichen Willen hier Genüge getan werden muss. |
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