Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Eine sexuelle Entwicklung, an die zu verstehen und zu tolerieren man sich absolut gewöhnen muss, wenn man es vermeiden will, ein Bekämpfer der Schöpfung des "Menschen als Abbild Gottes" zu werden | 1741. Dass die sexuelle Begierde so stark ist, dass sie alle Vorurteile innerhalb der von der Kirche oder den autorisierten Moralwächtern aufgesetzten Einschränkung des sexuellen Lebens des "Mannes" und der "Frau" sprengt, ist eine offenbare Tatsache, aber dass Millionen Menschen mehr oder weniger die sexuelle Begierde als einen Hunger nach Liebkosung empfinden – nicht nur Wesen des anderen Geschlechts, sondern auch Wesen des eigenen Geschlechts gegenüber –, ist noch nicht so offensichtlich geworden. Wenn dieser erweiterte Hunger nach Zärtlichkeit der Allgemeinheit noch nicht im größeren Ausmaß zum Bewusstsein gekommen ist, dann ist das natürlich auf die verborgene Daseinsform und die Heimlichtuerei, die Furcht vor Scham und Schande, zurückzuführen, unter denen ein solcher innerer Zärtlichkeitshunger dem eigenen Geschlecht gegenüber, aufgrund des sexuellen Unvermögens und der Verfolgung von Seiten der Herde, existieren muss. Während der Zärtlichkeitshunger in Form des männlichen und weiblichen Geschlechtsbegehrens sehr wohl unverhohlen vorkommen kann und etwas ist, worüber man sich außerhalb der kirchlichen Kreise nicht zu schämen braucht, verhält es sich ganz anders, wenn er sich so äußert, dass man sich besonders vom eigenen Geschlecht angezogen fühlt. Dann drohen Kreuzigung, Schande, Verachtung, Hohn und Spott, obwohl diese organische Sympathie oder Anziehung in ihrem höchsten Hervortreten oder in Reinkultur eine Liebe ist, die sich als ganz anders im Kontakt damit erweist "seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst" als die gewöhnliche männliche und weibliche Geschlechtsliebe. Diese letztgenannte Liebe ist nämlich überhaupt keine Liebe, sondern eine Kulmination von Eigentumsbegehren. Die Nächstenliebe kann unmöglich als ein speziell männliches oder weibliches Begehren existieren. Die Befriedigung dieser zwei Begehren kann nie und nimmer Nächstenliebe sein, sondern ist im Gegenteil ein hundertprozentiges Zufriedenstellen des Eigentumsbegehrens, d.h. des Hungers danach, ein Wesen des anderen Geschlechts zu besitzen. Sie wird dadurch zu einer ewigen Quelle der Konkurrenz um das andere Geschlecht, die notwendigerweise Eifersucht und ein daraus folgendes Rivalisieren und ein Verfolgen von Wesen des eigenen Geschlechts verursachen muss. Eine übertriebene Sympathie für das andere Geschlecht, sowie eine übertriebene Antipathie gegen das eigene, kann ja unmöglich etwas anderes werden oder sein als die Quelle jeder mentalen Finsternis in der Welt. Diese sexuelle Einstellung oder Form, die sexuelle Begierde zu empfinden, ist ebenso ein absolut organisches Produkt wie das Sehen, Hören und alle anderen Sinneswahrnehmungen. Aber auf die gleiche Weise wird auch die sexuelle Empfindung in Form von Hunger danach, Wesen des eigenen Geschlechts zu liebkosen, zu einem unerschütterlichen organischen Produkt, und man muss sich daran gewöhnen zu verstehen, dass dieses sich in der Welt, ja in jedem beliebigen Menschen entwickelt. Jede Verfolgung dieser rein organischen Entwicklung der Nächstenliebe ist eine Verfolgung des höchsten Fundaments des Christentums. Es ist eine Sabotage an der Erschaffung des "Menschen als Abbild Gottes", woran die Vorsehung arbeitet. |
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