Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der wahre psychische Unterschied zwischen "Tier" und "Mensch" |
1753. Bei diesem Durchnehmen der lebendigen Erfahrungen oder unerschütterlichen Tatsachen die menschlichen Psyche betreffend sind wir Zeuge dessen geworden, dass die betreffenden Wesen einem psychischen Verwandlungsprozess unterliegen und dass dieser Verwandlungsprozess dem zugrunde liegt, dass sie in stark zunehmendem Ausmaß anfangen, eine Wesensart zu werden, die vom Zustand des "Tieres" abweicht.
Wir haben gesehen, dass die deutlichsten Zeichen oder Symptome dieser neuen Wesensart oder dieses psychischen Zustands in den sympathischen Anlagen des Wesens zu finden waren.
Wir sahen, dass die kältesten, die brutalsten, die tötendsten und egoistischsten Bewusstseinstendenzen festen Fuß in den Wesen gefasst hatten, deren sexuelles Leben im größten Ausmaß "maskulin" und "feminin" geprägt war, d.h. also bei den Wesen, die gewissermaßen noch "Männer" und "Frauen" in Reinkultur waren.
Aus dieser robusten und noch "tierisch" betonten oder – ganz von der Paarungssympathie abgesehen – wesensfeindlichen Einstellung zum Leben sahen wir, wie ein höheres Sympathievermögen sich zu entwickeln begann, das sich als versöhnlichere oder humanere Einstellung zwischen Wesen des gleichen Geschlechts auswirkte.
Und da die größte Feindschaft zwischen den Wesen hier ihre Brutstätte oder sprudelnde Quellader hat, wurde es zur Tatsache, dass die neue psychische Entwicklung eben in die Richtung geht, diese Brutstätte oder dieses Zentrum der Nächstenfeindschaft – die Wurzel allen Übels in der Welt – in eine Brutstätte oder Quellader der Kulmination von Sympathie oder Liebe zwischen allen und zu allen zu verwandeln.
Wie sollte jedoch das "Tier" in Wirklichkeit in den "Menschen" verwandelt werden können, wenn nicht mittels der Verwandlung der sympathischen Anlagen? – Der Unterschied zwischen "Tier" und "Mensch" kann ja ausschließlich an den sympathischen Anlagen liegen. Überall, wo die tierischen Anlagen dominieren, d.h. im egoistischen oder selbstsüchtigen Bereich im Menschen, gibt es keinen Unterschied zwischen "Tier" und "Mensch". Das bedeutet also wiederum, dass der "Mensch" auf diesem Gebiet immer noch ein "Tier" ist. Nur da, wo es im Menschen Anlagen gibt, die sich als ein höheres Sympathiegefühl äußern – also als ein Empfinden von Liebe, das sich über das zur reinen Fortpflanzung Gehörende hinaus erstreckt und somit über den Ehepartner selbst und die Nachkommen, ja sogar bis über die Liebe des Individuums zu sich selbst, also sogar bis über den Selbsterhaltungstrieb, und was bedingt, dass man in bestimmten Situationen nicht davor zurückweicht, sein Leben zu opfern, wenn man andere damit aus einer drohenden Lebensgefahr retten kann – liegt der absolute Unterschied zwischen "Tier" und "Mensch". Auf einem solchen Gebiet repräsentiert der "Mensch" etwas, was das "Tier" durchaus nicht hat außer auf den Gebieten, die sich auf sein eigenes Glück beziehen, wie z. B. den Ehegatten und die Nachkommen. Hier ist das Tier dazu bereit, sein Leben im Kampf zu wagen. Über diese Art von Situationen hinaus ist es nicht die Natur des Tieres, das Leben für andere Wesen zu riskieren. Es ist richtig, dass zahme Tiere eine gewisse Form von Liebe zu ihrem Herrchen aufweisen können und dass ein zahmer Hund gern das Leben riskiert, um etwas zu retten, was sich auf die Menschen bezieht, die er gern hat, aber diese Liebe ist kein allgemein gültiger normaler Zustand beim Raubtier und kommt keineswegs da vor, wo dieses sich im freien und ursprünglichen, wilden Zustand im Dschungel befindet. Diese Sympathie des Tieres ist nur auf jahrelange Einmischung von menschlichem Sympathiestoff in seine Aura zurückzuführen. Dieser psychische Materiestoff hat sich nicht mit Hilfe der eigenen sympathischen Anlagen des Tieres entwickelt. Diese Sympathie ist ihm fertig vom Menschen übertragen worden. Eine solche Übertragung von Sympathiestoff geschieht, wenn man ein Tier "verhätschelt". Die Übertragung von menschlichem Aurastoff auf die Aura des Tieres kann so überwältigend und dominierend werden, dass die ursprünglichen und natürlichen Eigenschaften des Tieres fast außer Funktion gesetzt werden. Solch ein Tier könnte überhaupt nicht, oder nur sehr schwer, durchkommen, wenn es sich plötzlich selber überlassen wäre und Nahrung und Lebensmöglichkeiten herbeischaffen müsste. Die Anwesenheit dieses menschlichen Sympathiezustands im Tier wird u. a. dadurch zur Tatsache, dass das Tier, um in diesen Zustand kommen zu können, mit Wesen zusammen sein muss, in denen diese sympathische Aura oder Liebe schon existiert, also mit Menschen. Und da der Mensch das einzige Wesen ist, in dem diese Aura existiert, könnte diese niemals ohne das Beisammensein des Tieres mit dem Menschen im Tier entstehen. Die Sympathie, die unter den Wesen des eigenen Geschlechts der wilden Tierarten des Waldes unabhängig von Menschen entstehen kann, ist nur eine gewisse, aufgrund gemeinsamer Lebensgefahr aufrechterhaltene Toleranz – z. B. bei einem Waldbrand, einer Überschwemmung oder einer anderen Naturkatastrophe –, die plötzlich verschwunden wäre, wenn die gemeinsame Lebensgefahr überstanden ist. Eine solche Toleranz hat nichts mit Liebe zu tun. Sie ist nur die Folge einer vorübergehenden, lebenswichtigen Notwendigkeit, eine Erweiterung des Herdenbewusstseins des Tieres, eine Art Verteidigungsmittel analog zu anderen vom Selbsterhaltungsinstinkt erzeugten Verteidigungsmitteln. |
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