Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Ohne die Nachtseite des Spiralkreislaufs zu erleben, wäre es unmöglich, das Leben zu erleben | 1774. Diese ganze primitive irdische Lebensauffassung ist die Nachtseite des Lebens selbst. Sie stellt den Gegensatz zum Erleben von Vollkommenheit dar, der notwendigerweise oder absolut existieren und erlebt werden muss, damit es überhaupt möglich sein kann, die absolut wahre Vollkommenheit zu erleben. Das Lebewesen muss also notwendigerweise eine gewisse Form von Unwissenheit oder eine Art kosmischer Bewusstlosigkeit erleben, um Bewusstsein erleben zu können. Man kann unmöglich etwas erleben, von dem man den Gegensatz nicht erlebt hat. Um etwas erleben zu können, ist etwas erforderlich, mit dessen Hilfe das Objekt des Erlebens markiert werden kann, denn ohne diese Markierung wäre dieses Objekt völlig unsichtbar oder der Wahrnehmung oder dem Erleben unzugänglich. Jedes Ding kann nur kraft seines Gegensatzes erlebt werden. Wenn der kosmische Spiralkreislauf nicht in die verschiedenen, voneinander abweichenden Stadien eingeteilt wäre, die sich wiederum auf zwei Formen von Kontrasten konzentrieren, nämlich Licht und Dunkel, sowohl mental als auch physisch, dann könnte keinerlei Lebenserleben stattfinden. Der kosmische Spiralkreislauf lässt sich infolgedessen in zwei große Hauptzonen einteilen, nämlich in seine Nachtepoche und seine Tagesepoche, die, wie bereits erwähnt, im Prinzip dasselbe sind wie sein "Winter" und "Sommer" und wie die dazwischen liegenden Übergangsstadien, nämlich "Frühling" und "Herbst". Die Lebewesen befinden sich also in einem gigantischen Kreislauf, der im Prinzip den bekannten Kreisläufen entspricht, d.h. dem Tages- und Nachtkreislauf, dem Jahreskreislauf und dem Erdenlebenkreislauf, sowie dem Kreislauf der Materie, vom Blütenstadium zum Dungstadium und wieder zurück zum Blütenstadium und immer so weiter, oder dem Kreislauf des Wassers von der Schlammlache zum kristallklaren Trinkwasser oder der reinen Luft und wieder zurück zur Schlammlache und auf diese Weise fort. Die Aufrechterhaltung des Lebens gründet sich überall ausschließlich auf das Prinzip des Kreislaufs und dessen "Jahreszeiten". Wenn wir dies erkennen, ist es leicht zu verstehen, dass das irdische Leben von seinem Beginn auf der Erde an, weiter über Pflanzen und Tiere bis zum fortgeschritten entwickelten Erdenmenschen, die Nachtseite des Spiralkreislaufs und in dieser Nachtseite ein beginnendes Morgen- oder Frühlingsstadium repräsentiert. Dies wird zur Tatsache durch die totale Unwissenheit der Wesen über das wirkliche Leben im Kosmos, die Unwissenheit über ihre eigene Unsterblichkeit und Identität mit der Ewigkeit selbst und die hierauf beruhende alles umfassende Übertretung der Gesetze des Lebens oder die Kulmination von Erleben und Manifestieren des tötenden Prinzips und dessen Auswirkung von Kummer, Geschrei und Qual. Dass man hier ein inniges Verlangen nach der Vollkommenheit oder einem Land des Glücks hat und dass man in seinen Gedanken oder Träumen nach dem totalen Gegensatz jener dunklen Nachtseite des Lebenskreislaufs, in der man sich befindet, späht, dürfte selbstverständlich sein. Was wir hier vor uns haben, ist ja nur die Sehnsucht des "ausgeschlafenen" Wesens nach dem Morgengrauen oder der Ankunft des Tages. |
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