Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Es ist eine Lebensbedingung, dass das Wesen Behagen und Unbehagen oder Wohlbefinden und Unwohlsein empfinden kann | 1791. Jegliche Wahrnehmung des Lebens, jede Form des Erlebens, ist also mehr oder weniger "koloriert" oder wird von Dunkel oder Licht, von Unbehagen oder Behagen, von Antipathie oder Sympathie und somit von Hass oder Liebe gefärbt. Ohne diese Struktur und ohne dieses "Kolorieren" des Wahrnehmungsobjektes wäre jedes Erleben des Lebens eine totale Unmöglichkeit. Da das vollkommenste Erleben von Behagen und Unbehagen dasselbe ist wie das vollkommenste bzw. mangelhafteste Wohlbefinden, ist das Empfinden von Behagen das Objekt der Anziehung für das Ich oder das Individuum, während das Empfinden von Unbehagen das Objekt des Abstoßens für dieses Ich ist. Das höchste Feuer bewirkt also diese beiden Energieströme, die wiederum die Voraussetzung für jegliche Schöpfung und das damit verbundene Denken und jene Willensführung sind, die die Hauptfunktion beim Lebenserleben ist. Das ganze tägliche Leben des Lebewesens besteht ja einzig und allein aus dem Erleben von Anziehen und Abstoßen. Von all den Dingen, die es um sich herum sieht, seien es die Einzelheiten der Natur oder seine Mitwesen, werden manche anziehend und andere abstoßend auf ihn wirken. Wenn es nicht so wäre, was sollte dann das Denken und Wollen und die hieraus folgende Manifestation, Schöpfung oder das Erleben des Lebens in Gang bringen und in Gang halten? – Es ist also eine Lebensbedingung, dass das Wesen sich von Einzelheiten in seiner Umgebung angezogen oder abgestoßen fühlen kann. Aber damit das Wesen eben diese Anziehung oder diese Abstoßung empfinden kann, muss es Behagen und Unbehagen, Wohlbefinden und Unwohlsein fühlen können, d.h. die zwei Kulminationspunkte, kraft welcher jedes Lebenserleben stattfinden kann. Und dieses Gefühl hat das Lebewesen in außerordentlich hohem Grade. Wo das Individuum kein Gefühl hat, sei es in den verschiedenen Teilen seines Organismus oder in den Erscheinungen seiner Psyche, da ist es nicht normal oder lebenskräftig. Da ist es ein bewusstloses Wesen. Mangel an Gefühl ist dasselbe wie Mangel an Wahrnehmung und dem hieraus entstehenden Erleben. Und wo das Individuum innerhalb jener Domäne nicht erleben kann, die es eigentlich seiner Entwicklungsstufe zufolge sinnesgemäß beherrschen können müsste, da ist es ein abnormes, krankes oder zeitweilig totes Wesen. Da macht sich eine äußere Verletzung oder Beschädigung geltend und verhindert auf diesem Gebiet die gewöhnliche Lebensfunktion oder das Sinneserleben. Es ist also absolut lebenswichtig, dass das Individuum oder das Lebewesen die Fähigkeit dazu hat, Behagen oder Unbehagen erleben zu können, um dadurch im Stande zu sein, das Erleben des Lebens als ein Wohlbefinden zu empfinden, ja, um überhaupt das Leben erleben zu können oder dies, lebendig zu sein. |
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