Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Das gegenwärtige Leben der Edenmenschen ist in überwiegendem Umfang nur eine Dressur und imaginäre Freiheit, die kraft Lügen und Propaganda aufrechterhalten werden | 1812. Wahre Liebe und der darauf basierende absolute Frieden und die humane Kultur sind also ihrer tiefsten Analyse nach keine Frage des Geldes, der Strafe oder des Lebenswegs. Es geht hier nicht um Politik oder Religion, es ist keine Frage der Diktatur oder Königsherrschaft. Es ist auch keine Frage der Waffen, des Heeres, der Flotte, der Währung, des Zolls oder anderer üblicher materieller Erscheinungen, die alle, ohne Ausnahme, diktierte Verordnungen sind und nur aus Furcht vor Strafe eingehalten werden. Eine Kultur, die jedoch nur kraft der Furcht vor Strafe der Wesen aufrechterhalten werden kann, ist nur eine Dressur, kraft derer sich die Wesen auf das Stadium des Tieres herablassen, und ihre sogenannte souveräne Nation oder ihr Staat kann nur mit einer Menagerie oder einem Zirkus verglichen werden, in dem die Wesen nur eine imaginäre Freiheit besitzen, aufrechterhalten mit Hilfe einer autorisierten Propaganda, die weit von der wirklichen Wahrheit entfernt ist. Aber so muss sich ja ein unreifes und in der Entwicklung unfertiges Stadium kennzeichnen, was keinem einzelnen Wesen vorgeworfen werden kann. Wer kann das Gesetz ändern, das ein saures Stadium des Apfels bewirkt, bevor er sein reifes, süßes und gut schmeckendes Stadium erreicht? – Die Erdenmenschen müssen also diese ihre eigene Lage, dieses ihr eigenes kosmisches Stadium im Kreislauf, verstehen lernen. Sie können nicht mehr umhin, ihre Wissenschaft auf dieses Verhältnis einzustellen und die Nächstenliebe oder die sympathischen Anlagen im Lebewesen zum Objekt ihres Studiums zu machen. Die Erdenmenschheit hat längst eine Epoche erreicht, in der sie von morgens bis abends, von der Nacht bis zum Tag, Jahr ein Jahr aus, Generation auf Generation, Jahrhundert auf Jahrhundert in großem Ausmaß im täglichen Leben, in der Ehe, im Familienleben, im Geschäftsleben, auf den Arbeitsplätzen, in der Religion sowie in der Politik einen tödlichen, drosselnden Liebeshunger empfindet. Überall herrscht immer noch ein andauernder, fast unüberwindlicher Kampf darum, lieber zu geben als zu nehmen, lieber die rechte Wange hinzuhalten, wenn man auf die linke geschlagen wird, als sich mit derselben Brutalität und Gewalt zu verteidigen oder lieber ein "richtiger Mann", ein richtiger Vergelter von Hass und Zorn zu sein, als ein wirklich humaner Kultur- oder Friedensmensch, der im kosmischen Sinne immun gegen Hass, Zorn und Bitterkeit ist. Ja, sind nicht all diese unüberwundenen Erscheinungen einer niedrigen Kulturstufe eben das Fundament, auf dem Unfrieden, Krieg oder die Götterdämmerung ruht? – |
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