Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der Untergang des Tierreichs in der Mentalität oder Psyche des Erdenmenschen | 1827. Ist es nicht gerade die geniale, intellektuelle und künstlerische Einsicht und Schöpfungsfähigkeit, die den Erdenmenschen über das Niveau des Tieres emporhebt? – Glaubt man, dass es der Sinn des Lebens oder das Ziel des Erdenmenschen ist, nur ein unintellektuelles, Trächtigkeits- oder Fortpflanzungswesen zu sein, dessen einziges und höchstes Vergnügen lediglich daraus besteht, mit den Tieren um das Paaren und das Setzen der Nachkommen in die Welt zu konkurrieren? – Und übrigens, wer von den modernen Kulturmenschen von heute befindet sich auf einem so unintellektuellen Niveau, dass er nur als eine Art höheres Zuchttier existiert? – Wer von diesen Wesen ist ganz ohne Interessensphären, die außerhalb des Paarungszustands liegen? – Ist es nicht allgemeingültig, dass sie sich alle mehr oder weniger ein wenig nach Genialität sehnen, entweder auf dem einen oder dem anderen intellektuellen oder künstlerischen Gebiet, das mit ihrer ehelichen Natur überhaupt nichts zu tun hat? – Werden sie nicht gerade deshalb als Kulturmenschen bezeichnet? – Ja, ist ihre religiöse Interessensphäre nicht als etwas zu bezeichnen, was mit der Ehe, der Fortpflanzungs- oder Paarungsfähigkeit nichts zu tun hat? – Leben die Tiere in ihrem Paarungsbereich nicht glücklich, obwohl sie keine solche religiöse Interessensphäre haben? – Nein, wenn man die beginnende Entwicklung der Intellektualität von genialer Einsicht und Schöpfungsfähigkeit bekämpfen will, muss man damit schon bei allen niedriger stehenden Menschen anfangen, wenn nicht schon bei den Affen. Mit dieser beginnenden Fähigkeit verwandelt ja Gott das Tier in den "Menschen als Abbild Gottes". Das "Abbild Gottes" kann nicht einzig und allein ein unintellektuelles Vermehrungswesen sein, das ausschließlich Interesse daran und nur Fähigkeit dazu hat, Nachkommen in die Welt zu setzen. Das "Abbild Gottes" muss doch das befreite Wesen sein, das aufgrund seiner Intellektualität den Gedanken Gottes folgen kann, das Weltbild und seine eigene Identität als Schöpfer von Zeit und Raum erlebt und somit der Herr des Lebens ist und anhand seiner Genialität und in Kontakt mit den Offenbarungen Gottes in den Schöpfungsprozessen der Natur schaffen kann. Dass diese göttliche Verwandlung des Erdenmenschen nicht in der erdenmenschlichen Mentalität wachsen und gedeihen kann, ohne etwas von der tierischen, sexuellen Interessensphäre zu verdrängen, ist einleuchtend. Dass die Sexualität des Kulturmenschen folglich einem Verwandlungsprozess unterliegt, je nachdem, wie weit sich die Intellektualität und Schöpfungsfähigkeit dem Genialen nähert, ist hier ebenso eine einleuchtende Tatsache. Dass diese Entwicklung nach und nach die alten, orthodoxen moralischen Vorschriften und Ideale sprengen wird, ist ebenso selbstverständlich und natürlich wie Tag und Nacht, ganz gleich wie viel Widerstand, wie viele ausgestoßene Flüche, wie viel "heiligen Zorn" und "gerechte Wut", Klatsch und Verleumdung man auch immer anwenden mag bei seinem Widersetzen gegen den Stachel. Der kosmische Kreislauf des Lebens nimmt seinen Lauf. Die tierische Psyche muss in der erdenmenschlichen Mentalität untergehen. Die große intellektuelle Entwicklungsbahn ist im erdenmenschlichen Wesen bereits festgelegt. Es gibt keinen Weg zurück. Die Hochintellektualität und die Kunst, die die äußeren Fundamente und Wirkungen der Nächstenliebe sind, können nicht aufgehalten werden. Die Wesen sind auf dem Weg, ihren Gipfel zu erreichen. Gott modelliert alle zu seinem Abbild. Die Wesen müssten in tiefer Ehrfurcht den Blick gen Himmel richten und ausrufen: "Dein Wille geschehe". |
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