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(1591-1938) 
 
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Was die eheliche Degeneration zeigt  1828. Es geschieht also eine wirkliche psychische Verwandlung des Erdenmenschen. Sein eheliches Talent degeneriert. Die Ursache dieser Verwandlung kann also auf die sympathischen Anlagen des Wesens zurückgeführt werden. Während diese Anlagen ursprünglich nur in einer ehelichen Verbindung florieren und ihre Kulmination und Auslösung bekommen konnten, so finden sie zwar weiterhin ihre Auslösung in einem Paarungsverhältnis mit einem Wesen des anderen Geschlechts, aber diese Verbindung zwischen den Partnern wirkt sich nicht als permanent dauerhafte Harmonie in einem gegenseitigen Verlangen, einander zu besitzen, aus. Das sexuelle Verhältnis wirkt heute mehr in Richtung einer relativ kurzen Epoche des Wiedererlebens oder der Repetition eines sexuellen Besitzanspruchs, die früher seinem Objekt oder dem sexuell begehrten Partner gegenüber stabiler, haltbarer oder dauerhafter war als dieser Besitzanspruch, der ja dasselbe ist wie "Verliebtheit". Früher konnte eine gegenseitige Verliebtheit zwischen zwei Partnern so wie bei den Tieren das ganze Leben hindurch bestehen, und die hierauf basierende Ehe war beständig und glücklich. Heute oder im gegenwärtigen intellektuellen Stadium des Erdenmenschen ist eine Verliebtheit von einer mehr flüchtigen Natur, die sehr schnell ausgelebt ist. Und damit stirbt ja das Interesse am Objekt der Verliebtheit. Diese zu Ende erlebte Verliebtheit und dieses absterbende Interesse am sexuellen Partner bewirken, dass die Ehe nicht das ganze Leben lang aus "Flitterwochen" besteht und dass diese Tage des Glücks nur eine kleine, kurzlebige Periode in der ersten Zeit der Ehe ausmachen. Und demzufolge müssen die Ehen, wenn sie nicht durch Scheidungen aufgelöst werden, auf anderen Erscheinungen wie Kameradschaft oder gemeinsamen Interessensphären basieren oder "der Kinder wegen" aufrechterhalten werden und tragen in Wirklichkeit nur kraft des Trauscheins die Bezeichnung "Ehe". Aber eine Ehe, die auf anderen Fundamenten als dem glücklichen Zustand der Paarung gegründet ist, kann nur eine Scheinehe sein. Im Verhältnis zu den Ehen oder den Paarverhältnissen, die wir unter jenen Tieren finden, die in Monogamie leben, sind die Ehen oder das Zusammenleben in Paaren der Erdenmenschen also, außer während der Flitterwochen, fast als künstliche Ehen zu betrachten. Die wahre Ehe, d.h. das Zusammenleben in den Flitterwochen, ist also bei den Erdenmenschen nur ein relativ kleiner Bereich. Im übrigen Bereich oder Verlauf der eingegangenen Ehen, also in dem Teil, der beginnt, nachdem die Flitterwochen vorüber sind, ist die Ehe in Wirklichkeit mehr oder weniger als Tarnung anzusehen. Hier basiert die Ehe auf Erscheinungen, die außerhalb der gegenseitigen Verliebtheit der Partner ineinander liegen, da diese ja aufgehört hat. Andernfalls hätten die Flitterwochen weiterhin bestanden. Diese Erscheinungen können reine Liebe sein, die bewirkt, dass der Partner, für den eine Scheidung besonders aktuell oder wünschenswert wäre, es ganz einfach nicht über das Herz bringen kann, den anderen durch Scheidung und die hiermit verbundenen Unannehmlichkeiten zu quälen. Hier müssen wir hinzufügen, dass die gegenseitige Verliebtheit der Partner in der Regel nie gleichzeitig aufhört. Wenn das der Fall wäre, würde eine Scheidung ja kein besonderes mentales Leiden hervorrufen. Aber nun verursacht eine Scheidung eben schwere seelische Qualen oder Leiden bei dem Betroffenen, bei dem die Verliebtheit noch existiert. Der andere Partner kann also, wie erwähnt, eine solche allgemeinmenschliche Liebe besitzen, dass er es nicht über das Herz bringen kann, dem erstgenannten Partner die Leiden und Unannehmlichkeiten zuzufügen, die eine Scheidung in dieser Situation hervorrufen würde, und deshalb bleibt die Ehe bestehen. Aber eine solche Ehe ist ja trotz allem nicht ganz vollkommen, da die gegenseitige Verliebtheit und die darauf beruhende volle sexuelle Kraft nicht zugegen sind. Dazu kommen noch jene Ehen, die nur der Kinder wegen oder aus Angst vor Skandal oder aus anderen rein physischen Gründen aufrechterhalten werden. Diese in größerem oder kleinerem Ausmaß befindlichen Scheinehen sind die Ursache davon, dass wir genötigt waren, die erdenmenschliche eheliche Sphäre mit dem Begriff "die Zone der unglücklichen Ehen" zu bezeichnen. Zeigt nicht diese ganze erdenmenschliche eheliche Degeneration, dass die sympathische Veranlagung des Erdenmenschen verändert ist und dass diese Veränderung für die Ehe nicht zum Vorteil ist? –


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