Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Die Geisteswissenschaft als ein drittes und letztes Testament | 1849. Die tiefsten Tendenzen in den Erdenmenschen sind trotz äußerer Konflikte und äußerem Widerstand in einem ständig zunehmenden Umbruch zugunsten jener größeren allgemeinen Sympathie – als der vom Geschlecht bestimmten dem Mosesgesetz gemäß –, die die Nächstenliebe himmelhoch über das Fortpflanzungsprinzip setzt und zeigt, dass dieses nicht weiterhin das Wichtigste im Leben sein kann, sondern die dagegen gemäß der Erklärung des Welterlösers nur eine Sympathie sein kann, die alle Wesen in der innigsten mentalen und physischen Umarmung vereinigt, ganz abgesehen von Geschlecht, Rasse, Nation und Weltanschauung. Bewirkt nicht diese Kursänderung und Auffassung von Sympathie und Kulturentwicklung oder Gottes Erschaffen des Menschen, dass "Das Alte Testament" nicht mehr genügen konnte, sondern durch "Das Neue Testament" ersetzt und ergänzt werden musste? – Und bedingt nicht dieselbe weitere Entwicklung jetzt, dass dieses Neue Testament auch nicht mehr genügen kann, sondern wissenschaftlich erklärt werden muss, anstatt wie vorher nur dogmatisch oder diktatorisch erklärt zu werden? – Ist es nicht gerade diese Forderung, die gegenwärtig die Geisteswissenschaft erzeugt, die deshalb ein drittes und letztes Testament werden muss? – Nach diesem Testament braucht kein Mensch mehr die Anleitung anderer. Hier kann er ganz bis zur eigenen Einweihung oder geistigen Geburt geführt werden, wonach er selbst erhaben sein wird, eins mit dem Vater und dem Weltbild und somit selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben. |
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