Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der eheliche Sonnenuntergang der einpoligen Wesen und der hierauf folgende Sinn des Lebens | 1863. Die Natur hat also hier der Weiterführung der Ehe einen Riegel vorgeschoben. Da der feminine Mann sich nur wirklich in den maskulinen oder mannhaften Mann verlieben kann und dieser sich seinerseits unmöglich in ein anderes Wesen als die normale Frau verlieben kann, gibt es wie gesagt keine Möglichkeit, das Glück in der hier beschriebenen künstlichen Ehe oder sexuellen Beziehung zu finden. Sie wird sich niemals auf anderem als Unglück bringende, verpfuschte Beziehungen gründen können, die schlimmstenfalls zuletzt zu Lebensüberdruss und Selbstmord für den verliebten Partner führen, nachdem dieser die Kulmination der quälenden Eifersucht, der üblen Nachrede seitens anderer Menschen, die Kulmination des Geklatsches, des Hohns und Gespötts erlebt hat, ganz abgesehen von dem in vielen Fällen furchtbar ruinierenden ökonomischen Preis, den eine solche Partnerschaft herbeigeführt oder den femininen Partner gekostet hat. Die Neigung zu solchen Partnerschaften stammt also aus den noch nicht zu Ende erlebten, sondern gehemmten normalen Polzuständen und gehört folglich normalerweise nur zu den Beziehungen zwischen vollkommenen männlichen und weiblichen Geschlechtswesen und nicht zu Gemeinschaften zweier Partner, die unmöglich jene totale gegenseitige Erfüllung oder Glück bringende Befriedigung des geschlechtlichen Verlangens manifestieren können, die die hauptsächlichen Ecksteine oder Grundpfeiler des Lebens selbst sind. Wir müssen natürlich hier hinzufügen, dass die maskuline oder mannähnliche Frau dieselben Unannehmlichkeiten mit der Partnerschaft erlebt. Dass das Sexualleben zwischen diesen Wesen nur kraft Resignation oder Entsagen sowie eines besonderen Entgegenkommens von Seiten des einen oder der beiden Betroffenen aufrechterhalten werden kann, macht ja dieses Verhältnis nicht zu einer natürlichen Beziehung. Es wird nur unnatürlich sein und somit in entsprechendem Ausmaß nicht ausreichend glücklich genauso wie die unglücklichen Ehen unter den degenerierten, jedoch noch in überwiegendem Grad als männliche und weibliche Geschlechtswesen in Erscheinung tretenden Menschen. Es ist in Wirklichkeit nur eine fortsetzende Degeneration oder ein hinscheidender Zustand des Ehelebens, der in der Zone der unglücklichen Ehen in Erscheinung tritt. Es ist die Abenddämmerung, die sich dort ausbreitet, wo die sexuelle oder geschlechtliche Sonne des wirklich maskulinen Mannes und der femininen Frau am ehelichen Horizont untergegangen ist. Hier senkt sich die Nacht über den ehelichen Kreislauf. Das geschlechtliche, tierische Besitzerrecht am höchsten Feuer (am sexuellen Prinzip) im Nächsten ist kein definitives Ziel oder der endgültige Sinn des Lebens. Dieses Feuer soll nicht immer eine gebundene Triebkraft in Form eines alles dominierenden Fortpflanzungsprozesses bleiben, sondern ist dabei, eine alles überwältigende Quelle der mentalen Wärme, des Lichts und Wohlbefindens oder jener absolut reinen Liebe zu werden, die ohne Monopolisieren oder Vorbehalt von Individuum zu Individuum als eine einzige funkelnde Inspiration von kulminierender gegenseitiger Zärtlichkeit über alle und jeden ausgestrahlt wird. Dann ist der Mensch zum "Abbild Gottes" geworden und damit zum Einwohner jener Sphäre der Menschlichkeit, die das "Himmelreich" ausmacht. |
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