Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der Mann und die Frau in der noch unfertigen zweipoligen sexuellen Auslösung | 1909. Solange der für die sexuelle Zweipoligkeit vorgesehene Organismus noch nicht in dem fertigen Zustand vorhanden ist, der für die Auslösung dieses Kulminationsakts der Zweipoligkeit vorgesehen ist, kann das Individuum weiterhin nur mit Hilfe der aus dem Tierreich ererbten Geschlechtsorgane sexuelle Auslösung finden. Diese Auslösung kann jedoch je nach der geistigen Struktur und Kapazität des Wesens in normaler Zweipoligkeit nur ein imaginäres Erlebnis sein, das in den Gedanken so gestaltet ist, wie das reguläre zweipolige Verlangen es fordert. Die physische Auslösung, die zwischen solchen Wesen mit dem gleichen Geschlecht stattfindet, die einander gegenseitig sexuell anziehen, wird also hier, von der Zweipoligkeit aus gesehen, nur zu einem geistigen Kontakt. Das absolut "menschliche", d.h. das absolut zweipolige sexuelle Erlebnis, wird also nur in der Phantasie anwesend sein können, solange die zwei Wesen immer noch nur mit Hilfe der ererbten einpoligen Geschlechtsorgane sexuelle Auslösung finden können. Wenn der sexuelle Kulminationsakt zwischen zwei einpoligen Wesen gleichen Geschlechts ausgelöst wird, dann kann er nur mit Hilfe des Vorstellungsvermögens als zweipoliger Akt empfunden werden. Das Hauptprinzip bei diesem Akt wird dies sein, dass beide Teile sich ihren vereinten sexuellen Auslösungsakt als einen normalen Akt zwischen Mann und Frau vorstellen. Ein jeder der beiden Beteiligten stellt sich nämlich vor, dass er selbst der entgegengesetzte Partner dessen sei, mit dem der Akt ausgelöst wird. Wenn es zwei Frauen sind, die sexuelle Auslösung miteinander suchen, dann werden sich beide vorstellen, dass sie selbst der aktive maskuline Partner sind. Beide stellen sich vor, dass sie selbst der männliche Partner bei diesem Akt sind und dass die andere Person der feminine oder weibliche Partner sei. Wenn zwei Männer miteinander in einem sexuellen Akt Auslösung suchen, dann werden sich beide als der feminine oder weibliche Partner sehen und den anderen als das maskuline oder männliche Wesen. Wenn es nicht so wäre, gäbe es absolut keine Grundlage für den Akt. Dieser wäre völlig sinnlos, wenn er überhaupt zustande kommen könnte. Es ist ja gerade der beginnende neue Pol, der die sexuelle Neigung zu Wesen des eigenen Geschlechts bewirkt. Hier wird natürlich nicht mit den durch Entgleisung und Prostitution manifestierten unnatürlichen Akten gerechnet. Hier ist nur von jenem sexuellen Akt die Rede, der ausschließlich auf der von der beginnenden Zweipoligkeit verursachten Anziehung zwischen dem Wesen und Personen seines eigenen Geschlechts beruht. |
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