Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Das Entstehen der unglücklichen Ehen | 2561. Während die Verliebtheit bei einem weniger entwickelten oder primitiven Menschen und bei den Tieren so stark ist, dass sie mit Leichtigkeit und ohne Schwierigkeit ein ganzes Erdenleben lang andauern kann, ist sie bei den Menschen manchmal so stark, dass sie sogar dieselben zwei Ehegatten durch mehrere Erdenleben in die gemeinsame Ehe führen kann, um zuletzt, wenn das eheliche Prinzip zwischen ihnen ganz ausgelebt ist, dazu zu führen, dass sie zu Geschwistern werden. In gewissem Umfang spielt in einem solchen Fall die neue Sympathie, also die Nächstenliebesympathie eine Rolle. Aber so verhält es sich nicht mit dem fortgeschrittenen intellektuellen Menschen. Hier ist die Kraft der Verliebtheit so schwach, dass sie ihren Inhaber nur eine ziemlich kurze Zeit an seinen Partner binden kann. Danach erlahmt das Interesse an dem legalen Ehepartner, und im schlimmsten Fall wird auch das Interesse an den eventuellen Kindern in der Ehe geschwächt. Da aber der sexuelle Trieb oder das sexuelle Begehren nicht abgenommen hat, entsteht im Wesen ein sexueller Hunger oder eine sexuelle Sehnsucht nach der Zufriedenstellung dieses Triebs, jedoch nicht zu dem gewohnten Partner. Dort ist die Attraktion mehr oder weniger geschwächt, ja sogar in dem Umfang, dass dort im schlimmsten Fall geradezu eine Abneigung gegen sexuelle Aktivität mit dem legalen ehelichen Partner entstehen kann. Selbst wenn die Attraktion zu einem sexuellen Partner außerhalb der Ehe im Anfang bei einem solchen Wesen so stark ist, dass das Wesen sich absolut von seinem Ehepartner scheiden lassen und das neue Objekt seiner Verliebtheit heiraten will, hat diese Verliebtheit nicht mehr die starke regulierende Macht über die Psyche des Wesens, die sie vorher gehabt hat. Das Wesen wird, wie schon gesagt, relativ schnell des neuen Partners überdrüssig und wird wiederum nach einem neuen Partner Sehnsucht haben und so fort. Dass die Ehen, die von solchen Wesen gebildet werden, für sowohl die Ehegatten als auch für ihre eventuellen Kinder nur unglücklich werden können, ist natürlich eine Selbstverständlichkeit. Und es ist ein solches degenerierendes Ehetalent, das den psychischen Zustand in der zivilisierten Menschheit verursacht, den wir hier im Livets Bog als "die Zone der unglücklichen Ehen" bezeichnet haben. |
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