Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Es ist nicht so merkwürdig, dass das Christentum nicht zum Christentum in Reinkultur wurde | 2576. Aber so waren die Verhältnisse nicht zu Jesu Zeiten. Hier existierte eine überwältigende Mehrzahl, die überhaupt keine solche humane Gesinnung aufgrund ihres Erfahrungsmaterials von Leiden und unglücklichen Schicksalen aus vorhergegangenen Leben hatte. Und wenn sie keine solche Gesinnung bekommen hatten, hatten sie ja auch keinen Gebrauch für eine Anleitung dafür, wie sie rechtmäßig diese Gesinnung ihren Umgebungen gegenüber offenbaren oder manifestieren sollten. Und so hat es ja, seitdem Jesu Verkündung entstand, in jeder Generation Menschen gegeben, die in dem humanen Gebiet noch nicht entwickelt waren und nicht hinreichend Leiden und Erfahrungen in diesem Gebiet durchgemacht hatten. Und da diese Menschen in einer großen Mehrzahl gewesen sind und damit die einflussreichsten waren, ist es nicht so merkwürdig, dass das Christentum kein "Christentum in Reinkultur" wurde. Diejenigen, die nicht die Verkündung der Nächstenliebe oder der Humanität verstehen konnten, mussten ja weiterhin "Heiden" verbleiben, d.h., dass sie weiterhin Wesen waren, in deren Gemüt die Kriegs- und Kampfmoral die primäre Einstellung im Verhältnis zu ihrem Nächsten war. So gab es Wesen, die zum Christentum in seiner Anfangsform prädestiniert waren und es von Herzen annahmen, aber es gab wie gesagt eine große Mehrzahl unter den damaligen Menschen, die dafür in seiner höchsten und edelsten Form noch unempfänglich waren. Man änderte deshalb an seinen großen und erhabenen Idealen herum und passte sie in gewissem Ausmaß seinen eigenen heidnischen oder kriegerischen Vorstellungen an und machte sie in geänderter Form zur Staatsreligion. Man segnete den Gebrauch des Schwertes, statt ihn abzuschaffen. Und man förderte die Fähigkeit, das tötende Prinzip zu vervielfältigen, sodass man seine Feinde millionenfach vernichten und ihre Häuser, Werte und ihr physisches Dasein im Laufe von Sekunden auslöschen konnte. Und die Erfahrungen haben gezeigt, dass man in gegebenen Situationen nicht davor zurückweicht, um dieses sein Können anzuwenden. Mit dieser Ignoranz der Gebote und der Belehrung des Christentums darüber, seine Feinde zu lieben und die zu segnen, die einen verfluchen, und denen Gutes zu tun, die einen hassen, und für die zu beten, die einen kränken und verfolgen, ist es nicht so merkwürdig, dass die Menschen dahin kommen mussten, eine Epoche des Jüngsten Gerichts zu schaffen und zu erleben, wie es auch nicht so merkwürdig ist, dass diese Form von Christentum allmählich entvölkert werden musste. Aber diejenigen in den Gemeinschaften, die für das Christentum reif waren, waren die gute Erde, in die es gesät und wo es weitergeführt wurde. Und diejenigen, die nicht reif dafür waren und es in der Realität nicht mit dem Herzen akzeptierten, gehören mehr oder weniger zu der schlechten Erde, auf der die Saat und Ernte missglückt. Wie könnte es anders sein? – Die gute Erde ist die absolute Bedingung für eine entsprechend gute Ernte. |
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