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3. Kapitel

Die Familienliebe ist nicht die richtige Grundlage dafür, den Frieden zu stimulieren  Liebe ist jedoch ein sehr weiter Begriff. Und die Auffassung der Menschen von diesem Begriff gilt noch hauptsächlich nur der Familie, den Freunden und Glaubensgenossen. Ihr Liebesgefühl gilt weniger und ist geringer, wenn es sich um andere, "belanglose" Personen, anders Denkende sowie arme, ungepflegte und primitive Menschen handelt, geschweige denn, wenn es sich um ihre Liebe zu den Tieren handelt, die noch in vielen Fällen rein mikroskopisch ist. Hier meine ich natürlich nicht die Fälle, wo Menschen ihre Hunde, Katzen und Kanarienvögel usw. mit Liebe überschütten, da diese Liebe von derselben Art ist wie die "Familienliebe" und also kein Ausdruck für einen hervorragenden Entwicklungsstandard sein muss. "Familienliebe" ist keine Äußerung wahrer reiner Liebe – die als "Allliebe" oder wahre "Nächstenliebe" zum Ausdruck kommt –, da sie einen nicht daran hindert, Antipathie gegen die Familie des Nachbarn zu fühlen, einen fremden Hund zu treten o.ä., sondern in gewissen Fällen sogar die Antipathie gegen alles stimuliert, was nicht zu den eigenen Beziehungen gehört: Familie, Nationalität, Rasse, Glaube oder Weltanschauung usw. Ihr jahrtausendlanges Praktizieren hat dazu geführt, dass wir heute Krisen, Armut, Hungersnot, Arbeitslosigkeit, Heimatlosigkeit und Vagabundentum haben mitten in einer Welt von Überfluss und Reichtum, mitten in einer Unendlichkeit von Bedingungen für Frieden und Glück. Aber nichtsdestoweniger erlebt diese Form von Liebe zurzeit eine Renaissance. In Form von allem, was unter den Begriff "Nationalismus" fällt mit dazugehörigen "Zollmauern", "Rassenhass", "Einwanderungsverbot", "Eroberungslust" und "Militarismus", lodert sie wieder auf. Sie ist eine Liebe, die auf alle Weise das "Ihrige" sucht, und sie ist deshalb die tragende Lebensbedingung im Tierreich, das ja die Heimat oder die Spezialzone des Egoismus ist. Die Erdenmenschheit hat jedoch durch jahrtausendlange Religiosität und durch kosmische Weltimpulse die Grenzgebiete zwischen dem Tierreich und dem wahren Menschenreich erreicht, d.h. die Zonen zwischen der Selbstsucht und der Selbstlosigkeit. Und diese Nähe zur Zone der Selbstlosigkeit bewirkt bei der Menschheit, dass die tierische Lebensbedingung in Form der "Familienliebe" nicht mehr eine Frieden stimulierende Grundlage für die Gesellschaft der Menschen auf der Erde sein kann. Diese Liebe war ein tragender Faktor, als die Menschen noch nur als "Stämme" oder "Familien" existierten, und war auch der günstigste Faktor für ihre weitere Entwicklung als stark abgegrenzte "Nationen" oder "Reiche".
      Aber jetzt lebt die Menschheit in Wirklichkeit nicht mehr in stark abgegrenzten "Nationen". Nur dem Namen nach, nur auf dem Papier ist die Welt in Staaten eingeteilt. Eigentlich ist sie schon zu einem Staat, zu einem Reich geworden. Ihre fortgeschrittene Wissenschaft, ihre erweiterte Technik, ihre schnellen öffentlichen Verkehrsmittel, ihre Überwindung von Entfernungen, ihr beträchtliches Export- und Importwesen usw. haben die Nationen schon längst in ein solches felsenfestes Verhältnis miteinander verbunden, dass die Identität der gesamten Menschheit als ein Staat in der Welt eine unumstößliche Tatsache ist. Und je schneller die Menschen diese absolute Wirklichkeit verstehen und danach handeln, desto schneller wird der wahre Weltfrieden zur Tatsache.
      Da es die Entwicklung ist, die die Staaten so zu einem Reich zusammengeschraubt hat, sind diese in Wirklichkeit "von Gott zusammengefügt" worden, und jeder Versuch, sie politisch oder geistig zu trennen, wäre ein Widerstand gegen die Entwicklung und wäre absolut nutzlos, würde Leiden verursachen, "denn was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen".


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