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4.Kapitel
Die modernen Kulturstaaten sind zu einem religiösen Wüstengebiet geworden, in dem Geld zum alles überschattenden Lebensfundament geworden ist
Im jetzigen Jahrhundert sind die religiöse Tendenz und Auffassung aus großen Teilen der Bevölkerung der Erde verschwunden. So wie ein Gebiet zu einer Wüste wird, wenn alles Wasser aus diesem Gebiet verschwindet, ist auch die menschliche Mentalität dort zu einem psychischen oder seelischen Wüstengebiet geworden, wo die religiöse Tendenz aus der menschlichen Lebensauffassung verschwunden ist. In diesem mentalen Wüstengebiet gibt es zwar eine üppige mentale Vegetation, aber sie besteht psychisch oder seelisch gesehen nur aus Wüstenpflanzen. Sie gibt nur dem Teil der menschlichen Mentalität Nahrung, der noch aufgrund der niedrigen Entwicklung an die rein physische oder körperliche Interessensphäre gebunden ist. "Pflanzen", die der geistigen oder psychischen Seite und damit dem primären und ewigen Teil des Lebewesens Nahrung geben können, kommen in diesem Wüstengebiet nicht vor. Aber hier gibt es, wie gesagt, mächtige Wüstenpflanzen, die der physischen, körperlichen oder der rein materiellen Seite dieses Wesens einen Überfluss an Nahrung bieten. Diese mentale Wüstenvegetation besteht aus einer Unzahl von Arten, die sozusagen derselben Familie angehören. Diese Familie ist unter dem Begriff "Geld" bekannt. Unter den verschiedenen Arten sind hier die vielen Formen zu verstehen, in denen sich Geld angeeignet wird. Wir kennen diese Formen unter den Begriffen Profit, Aktienausschüttung, Zinsen, Gewinne, Verdienste, Arbeitslohn usw. Diese vielen Pflanzenarten in der mentalen Wüstenvegetation sind allmählich zu einer Lebensbedingung für die Menschen geworden, und zugleich sind sie höchst ungesund für die Seele, weil sie fast alle mit einem gewissen Prozentsatz von jenem gut verborgenen Giftstoff behaftet sind, der "Unehrlichkeit" heißt. Dieser Giftstoff ist für die Schaffung von wirklicher, dauerhafter Lebensfreude absolut tödlich. Er gibt nicht nur dem Geist des Menschen keine wirkliche Nahrung, sondern er zerstört auch alles, was jenes seelische Lebensfundament schaffen kann, durch das die dunklen Schicksalssituationen des physischen Lebens ohne Nervenzusammenbrüche, ohne Sorgen, Angst, Pessimismus und Selbstmord bewältigt werden können, ganz abgesehen von der Immunität gegen große Teile eines dunklen Schicksals, die durch dauerhafte absolute Ehrlichkeit oder dadurch, mit der Wahrheit eins zu sein, geschaffen wird.
      Die ganze Administration, Struktur und Aufrechterhaltung des Lebens der Erdenmenschheit ist nach und nach von dieser mentalen Wüstenvegetation völlig abhängig geworden. Alle Regierungen, jegliche Politik, alle Gesellschaftsverhältnisse und Positionen, jegliche Ehre und jegliches Ansehen, jeglicher Lebensstandard, jegliche Zivilisation usw. sind heute ausschließlich eine Frage von Geld. Aufgrund der moralischen Unterentwicklung der Menschen ist die Aneignung von Geld oder die Jagd danach zu ihrem großen Lebensproblem geworden. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen sind die sonst so hoch geschätzten Kulturstaaten zusammen nur eine primitive Naturmenschengesellschaft, deren wichtigste Nahrungsquelle die Jagd nach dem Geld ist. Alle sind gezwungen, an dieser Jagd teilzunehmen. Sie ist allmählich eine so alles überschattende Lebensbedingung geworden, dass sie Religion und Gottesverehrung verblassen ließ.


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