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| Die Unsterblichkeit der Lebewesen - Inhaltsverzeichnis |
Primitivität und Aberglaube
1. Kapitel
Wie Primitivität und Aberglaube die Kulturen zu Verfall und Götterdämmerung bringen, was in der Bibel vorausgesagt wurde
Für den modernen, denkenden Menschen kann es von Bedeutung sein, ein wenig bei der allgemeinen Auffassung über das Leben oder die öffentliche Meinung, bei den Sitten und Gebräuchen usw. zu verweilen, um diese Erscheinungen ein wenig näher zu betrachten.
Diese Erscheinungen umfassen alles, was zum täglichen Dasein in Bezug auf Ernährung, Moral, Religion, "den guten Ton" oder die allgemeine Erziehung, humanes Verhalten oder zur Auffassung über den Sinn des Lebens gehört.
Wenn man dabei verweilt und auf die Auffassung über diese Erscheinungen zurückblickt, kann es nicht bestritten werden, dass diese zeigen, dass sie eine sehr große Serie von Verwandlungen durchgemacht haben.
Diese Verwandlungen können geradezu in Epochen eingeteilt werden, die jeweils ihre besondere Form von moderner öffentlicher Meinung oder allgemeiner Auffassung über das Leben und das menschliche Verhalten repräsentieren.
Es gibt also keine der früheren Auffassungen über das Leben und Verhalten, die geblieben sind, selbst wenn sie noch so modern waren, ja geradezu gesetzlich festgelegt waren, sodass es als verbrecherisch betrachtet wurde, nicht in Kontakt mit ihnen zu sein. Tausende und Abertausende Menschen sind gefoltert und ermordet worden, sind auf Grund der Übertretung dieser autorisierten Auffassungen einer vom Gesetz vorgeschriebenen Todesstrafe anheimgefallen. Später sind die gleichen Beschlüsse als Ausschlag reiner Primitivität oder kulminierenden Aberglaubens enthüllt worden, die dem heutigen Menschen als etwas rein Lächerliches vorkommen. Die Weltgeschichte zeigt zahlreiche Ermordungen von Menschen, die begannen, die schreiende Unvollkommenheit und Naivität der autorisierten Traditionen und Auffassungen zu durchschauen. Sie konnten diese deshalb nicht als Moralfundament oder Basis für ihre Lebensauffassung und Verhaltensweise akzeptieren, weshalb sie als Ketzer oder Verbrecher gestempelt und zu Folter und Hinrichtung verurteilt wurden. Wie war es z.b. mit der Inquisition und den Hexenprozessen im Mittelalter? Wurden da nicht viele Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nur weil sie sich den von kirchlichen oder geistigen Autoritäten vorgeschriebenen religiösen Beschlüssen nicht beugen konnten. Das Verfahren dieser Autoritäten, mit dem sie die Angeklagten dazu brachten, sich der Bezichtigungen schuldig zu bekennen, war so teuflisch raffiniert und schmerzhaft, dass man den Angeklagten dazu bringen konnte, sich welcher Anklage auch immer schuldig zu bekennen, und damit natürlich auch der Anklagen, die man gegen ihn richtete, selbst wenn er völlig unschuldig war. Wer kann dem Rädern seines Organismus standhalten, einer Kulmination der raffiniertesten sadistischen Peinigungen? Sollte man nicht glauben, dass es hier beinahe eines Christus oder eines eingeweihten Wesens bedarf, mit einer ausreichenden Seelenstärke, um dem Druck der Folter nicht nachzugeben und das von den Autoritäten vorgeschriebene Geständnis, das diese mit allen zur Verfügung stehenden Folterwerkzeugen absolut haben wollten, nicht zu machen. Offenbar ging es hier also nicht um die Wahrheit über Schuld oder Unschuld des Angeklagten, sondern dagegen nur um das Erzwingen eines vorgeschriebenen Geständnisses, das man haben wollte, ganz gleich ob dieses wahr oder falsch war. Es sieht so aus, als ob es in dieser Situation die Hauptsache war, "lebendes Brennmaterial" für die Scheiterhaufen zu beschaffen. Aber dadurch bekommt der ganze Inquisitionsprozess einen Anstrich von Sadismus. Der Inquisitionsprozess galt jedoch nicht nur der Bekämpfung von Magie, Hexerei und Zauberei. Er streckte seinen tötenden Arm auch nach Menschen mit anderen mentalen Einstellungen aus. Große Denker und Forscher, die neue Gesichtspunkte und Entdeckungen über das Universum und die Sternenwelt vorlegten, wurden von der Inquisition in die Flammen der Scheiterhaufen geworfen. Man hatte nämlich im Voraus schon das Weltbild mit an Traditionen gebundene und durch Todesstrafe geschützte Vorstellungen monopolisiert, das heute ebenso als Kulmination von Primitivität und Aberglauben aufgefasst wird. Wie sollte eine Entwicklung von Geist und Kultur in Wirklichkeit stattfinden können, wenn es Folter und Todesstrafe für jede noch so kleine Abweichung vom vorgeschriebenen, traditionellen Denken und von der Auffassung vom Leben gab. Die damalige "moderne" menschliche Mentalität und Obrigkeit musste ja, auf Grund ihrer naiven und primitiven Natur, selbstmörderisch sein. Diese autoritäre Eindämmung der Quellen des Lebens oder des neuen Wissens und neuer Tatsachen musste zum Schluss gewaltige revolutionäre Kräfte entfesseln, die die mentalen Eindämmungen sprengen mussten. Sind Revolutionen und Kriege nicht in großem Ausmaß Sprengungen dieser alle Entwicklungen einschnürenden und versperrenden Begrenzungen? Und die Menschheit kam hinein in neue Traditionen, die ebenfalls ihre Begrenzungen, Hindernisse und ihren Verfall hatten, weil auch diese neuen Traditionen und Formen der Einstellung auf die Gottheit, auf Moral und Verhaltensweise ebenso in großem Ausmaß auf Primitivität und Aberglauben basierten. Und auf diese Weise musste eine Weltkultur nach der anderen vergehen, weil in jeder Kultur noch Primitivität und Aberglauben herrschten. Und da, wo Unwissenheit, Naivität oder Primitivität die falschen Vorstellungen der Menschen mit Hilfe von Folter und Todesstrafe diktiert, was wiederum leben- und kulturzerstörende Traditionen, tödliche Moral und Verhaltensweise mit sich führt, kann eine vollkommene Kultur unmöglich erschaffen werden. Das muss unweigerlich zu – nicht Kultur, sondern – Kulturzusammenbruch, einer Götterdämmerung, mentalem Chaos, Lebensüberdruss und Selbstmord führen. Das ist die Erfüllung von Gottes Wort an Eva: "Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen." Das ist die Erfüllung von Gottes Wort an Adam: "So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Diesteln lässt er dir wachsen." "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden, von ihm bist du ja gekommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück." Das ist die Erfüllung von Gottes Wort an Kain: "Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen. Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf Erden sein." Das sind die Erfüllung und das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der "mit den Schweinen essen musste." Und das ist die Erfüllung der Worte Jesu über das Leben der Böcke an seiner linken Seite am Tage des Jüngsten Gerichts. |
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