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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
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Logik - Inhaltsverzeichnis   

 

 

0. Einleitung

   Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit wohl in größerem Maße als jemals zuvor in der Geschichte sich selbst, d.h. die Lösung des tiefsten Mysteriums ihres eigenen Lebens verloren hat. Für frühere Geschlechter waren die Rätsel des Daseins der wirklich moralbildende feste Punkt.
      Natürlich war die Lösung dieser Rätsel der Allgemeinheit nicht in wissenschaftlicher Form zugänglich. Dazu war die Einstellung bei vielen noch zu kindlich und zu naiv. Dazu hatte diese Allgemeinheit noch zu viele der Traditionen des Tieres in ihrem Bewusstsein oder in ihren Gewohnheiten. Sie musste zu jenen Zeiten in zu großem Ausmaß mit der Tatsache leben, dass es eine Lebensbedingung war, "zu töten, um zu leben". Da diese Tatsache so oft erlebt wurde, dass sie zum gewohnheitsmäßigen Bewusstsein, d.h. zu natürlichen Anlagen oder Talenten wurde, konnte die Lösung des Lebensmysteriums selbstverständlich unmöglich erkannt werden, konnte also unmöglich in einer Antwort akzeptiert werden, die dieser Tatsache deutlich widersprach. Und wir sehen denn auch, dass die Antworten auf die Frage nach der Lösung des Lebensmysteriums im Laufe der Zeit einen großen Wandlungsprozess durchgemacht haben und denselben Traditionen wie alles andere unterworfen waren, was zum Begriff "Entwicklung" gehört, nämlich von einem nebelhaften oder schleierhaften Beginn, über eine allmähliche Verdichtung zu festen, klaren und konkreten Einzelheiten. Die Rätsel des Daseins haben als schwache, naive Ahnungen oder Vermutungen begonnen, die allmählich zu festeren Vorstellungen wurden, angepasst und zurechtgeschliffen durch die einzige absolut wirkliche Tatsache, welche für die damaligen Menschengeschlechter feststand und die daher ihre einzige "Wissenschaft" war: nämlich die oben genannten Lebensbedingungen. Das fünfte Gebot "Du sollst nicht töten!" konnte demnach vom Erdenmenschen nicht immer als ein Gebot der Vernunft angesehen werden.
      Es hat daher auch eine Zeit gegeben, wo der hundertprozentige Gegensatz zu diesem Gebot das höchste Ideal war. Zu töten oder selbst getötet zu werden, war der Weg nach "Walhalla", war der Weg zum Wohlgefallen der Götter. Nicht töten zu können und eines natürlichen Todes im Greisenalter zu sterben, das war der sichere Weg zum Ort der Schande der Götter oder zur "Hölle" der damaligen Zeit. Dass eine solche Moral nicht mit der höchsten Lösung der Lebensmysterien im Einklang stehen konnte, war völlig unfassbar für die Menschen eines Zeitalters, in dem man absolut noch nichts von wirklich geordneten Gesellschaftsverhältnissen, von Polizei oder Obrigkeit wusste, wo vielmehr alle Traditionen der Menschen wie bei den Tieren in vollstem Ausmaß nur als eine Frage von Macht und Stärke existierten. Die Verhältnisse bewiesen ja täglich, dass die Schwachen sowohl unter den Tieren als auch unter den Menschen zugrunde gingen und dass "dem Mutigen die Welt gehörte". Dies war die einzige feststehende Tatsache jener Zeiten und deshalb die einzige absolute "Wissenschaft" der damaligen Zeit. Es wäre somit im höchsten Maße im Widerstreit mit dem Wissen dieser Menschen und mit den offensichtlichen Tatsachen gewesen, es wäre in höchstem Maße als Abnormität aufgefasst worden, ja als Torheit, als eine Sünde vor den Göttern, die geradezu bekämpft, verfolgt und bestraft werden musste, wenn die Lösung des Lebensmysteriums damals als Gegensatz zu diesem "Wissen" bekanntgegeben worden wäre.
      Aber das Leben hat seinen ewigen Gang. Und die Fähigkeit der Geschlechter, die Traditionen des tötenden Prinzips immer mehr zu entfalten, entwickelte sich unaufhörlich und erreichte ihre Genialität im mord- und kriegstechnischen Können unserer Zeit. Ja, die Welt wurde ein wahres Eldorado für die Söhne "Walhallas". Was ist ein armseliger Steinzeitmensch mit seinem Steinbeil oder ein Berserker mit seinem Bronzeschwert, vom Standpunkt Odins oder Thors aus gesehen, im Vergleich zu den modernen Führern der Bombenflugzeuge, der Panzer, der U-Boote oder denen, die sich der Maschinengewehre, Handgranaten oder Flammenwerfer bedienen? – Hat die blutdürstige Göttergesellschaft jener Heldenstätte wohl jemals größeren Erfolg gehabt, ist ihr jemals größere praktische Verehrung zuteil geworden als durch die kriegerische und revolutionäre Hinrichtungsprozesse praktizierenden Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts? Allein der Krieg 1914-1918 öffnete zehn Millionen Seelen die Pforten "Walhallas".
      Auf ihren Gräbern jedoch leuchtet "das Zeichen des Kreuzes", das Symbol des Christentums. – Sonderbar. – Über den Soldatengräbern der jungen "Helden" Europas steht das Wahrzeichen des ewigen Gebotes: "Steck dein Schwert in die Scheide, denn alle die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen".
      Das Symbol für die Verwirklichung der "Erfüllung aller Gesetze", "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", spricht damit seine eigene stille Sprache. Von einem Wald weißer Kreuze – breitet sich die Atmosphäre der Liebe über die Spuren von "Walhalla" aus. –
      Beginnt nicht eine neue geistige Morgenröte, ihren ersten leuchtenden Schein über die finsteren Walstätten zu senden? Zeigt sich nicht ein neuer Gott, ein neues "Himmelreich" über den öden Fluren? –
 


Ja, vom Voranstehenden kann ein jeder halten, was er will, aber um eine Tatsache kommt kein wirklicher Realist herum, eine Tatsache, die trotz aller Vorstellungen unerschütterlich besteht: nämlich, dass kein normaler Mensch leben kann, ohne Erfahrungen zu machen. Erfahrungen verschaffen Wissen. Wissen ist wieder Erkenntnis von etwas Vollkommenerem an Stelle von etwas Unvollkommenerem. Mit den wachsenden Erfahrungen kann das Leben des Menschen nicht mehr ohne entsprechend zunehmende Verknüpfung mit dem Vollkommeneren und einem Abstandnehmen vom weniger Vollkommenen existieren. Ein solcher Prozess kann aber unmöglich etwas anderes sein als Vervollkommnung. Diese Vervollkommnung kommt durch die sogenannte "Entwicklung" zustande. Da kein Mensch, wie eben gesagt, existieren kann, ohne Erfahrungen zu machen, kann auch kein Mensch existieren, ohne dieser Vervollkommnung unterworfen zu sein. Das bedeutet also, dass niemand existieren kann, ohne vom Leben oder von der Natur selbst unterrichtet zu werden. Das Leben ist demnach die größte Schule für jeden Menschen. Alles, was es an wirklichem Wissen gibt, stammt aus Selbsterlebtem oder von Erfahrungen in dieser Schule. Alles, was wir überhaupt unter dem Begriff "Unterricht" kennen, gleichgültig in welcher Form auch immer, ob es aus den größten wissenschaftlichen Werken der Universitäten hervorgeht oder aus dem "ABC" der ersten Schulklasse besteht, ist nur eine Wiedergabe des Unterrichts des Lebens selbst. Und jedes Wesen, das mit dem Wort "Lehrer" bezeichnet wird, kann somit nur ein "Wiedererzähler" der Natur sein, gleichgültig, ob es sich um Professoren oder Handwerksmeister handelt, gleichgültig, ob sie Messiaswesen oder Medizinmänner sind. Was sie an wirklichem Wissen weiterzugeben haben, kann nur eine Wiedererzählung ihrer selbst gemachten Erfahrungen sein, die ja wieder nur ein Ausdruck dessen sind, was das Leben ihnen erzählt hat.
      Das Leben ist somit die größte und wahrhaftigste Schule des Daseins. Es ist das Buch der Bücher selbst. Es ist die Quelle, aus der unerschütterlich alle Weisheit fließt. Und da kein Mensch existieren kann, ohne dass sein Leben mit einem "Lesen" in diesem Buch identisch ist, kann auch niemand existieren, ohne durch dieses Buch unterrichtet zu werden. Da aber das "Unterrichtetwerden" durch dieses "Buch" dasselbe ist wie vervollkommnet zu werden, sind somit alle einer Vervollkommnung unterworfen.
      Dass es diese Vervollkommnung gibt, zeigt sich unter anderem dadurch, dass die Menschen sich nicht immer weiter damit begnügen können, daran zu "glauben", was andere erlebt haben, was andere vom Leben und vom Dasein erzählen. Und es ist einleuchtend, dass mit dem Verlust dieser Fähigkeit das Interesse an Religion und Dogmen entsprechend geschwächt wird, da sie ja überlieferte Berichte sind, die andere Wesen von ihren mehr oder weniger vollkommenen oder unvollkommenen Erfahrungen auf dem religiösen Gebiete gegeben haben.
      Dass den Wesen, die nicht glauben können, von einer gewissen Seite mit der "Hölle", mit "Heulen und Zähneknirschen" oder mit "ewiger Verdammnis" gedroht wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Zahl der Ungläubigen stark zunimmt. Und wie könnte es auch anders sein? – Man kann nicht glauben, nur weil man es will. Glauben können ist eine Fähigkeit, die man hat oder nicht hat. Hat man sie nicht, nützt es nichts, dass mit Verbannung oder Scheiterhaufen gedroht wird. Drohungen oder Schrecken entwickeln nicht die Fähigkeit, glauben zu können, möglicherweise aber den Antrieb, es zu wollen. Um aber das zu können, was man will, dazu ist eine Fähigkeit notwendig. Hiergegen kann man vielleicht einwenden, dass viele "Ungläubige" zu "Gläubigen" "bekehrt" worden sind. Aber hierauf muss ich antworten, dass die Wesen, die sich von einem "ungläubigen" zu einem religiös gläubigen Zustand bekehren lassen können, alle ohne Ausnahme die Fähigkeit haben, glauben zu können. Bei ihnen war sie aber aufgrund von Interesse oder Beanspruchung auf anderen Gebieten zeitweilig außer Funktion, und dies kann somit nicht die Tatsache ausschließen, dass es andere Wesen gibt, die niemals die Fähigkeit bekommen können zu glauben, wie gerne sie es auch wollen. Da aber diese Wesen die Antipathie der Gläubigen und deren Drohungen mit "Hölle" und "Verdammnis" auf sich ziehen, ist es den Gläubigen oder denen, welche die Dogmen anbeten, nicht möglich, diese Wesen "zu erlösen". Sie verursachen in der Mentalität dieser Wesen geradezu Abscheu vor allen Begriffen, die der Religiosität angehören oder Ausdruck für "geistige" Probleme sind. Das Wort "Gott" wird von diesen rechtmäßigen "Ungläubigen" so sehr als ein Ausdruck höchster Einfalt, Naivität oder kultureller Infantilität aufgefasst, dass es geradezu das Kennzeichen für alles geworden ist, womit ein "moderner" Mensch sich nicht befasst, weil "es sich nicht schickt". Wenn das Wort "Gott" in sympathischer Form auf dem Umschlag eines Buches steht oder in der Ankündigung eines Vortrages vorkommt, zeigt der "aufgeklärte" Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts ungern Interesse. Hier muss er seinen eigenen Weg gehen.
 


Das Voranstehende bedeutet also in Wirklichkeit, dass der geistige Weg des modernen, wissenschaftlich eingestellten Menschen immer mehr von "der Kirche", von "der Taufe", von "der Konfirmation" und vom "Altar" oder vom "Abendmahl" fortführt. Und wo führt er hin? – Ja, die Antwort der "Kirche" oder der Religiösen auf diese Frage ist, wie gesagt, dass er unvermeidlich zu "ewiger Verdammnis" führt, was im Sinne dieser Antwort "ein ewiges Leben im Feuer der Hölle", einen "ewigen" Aufenthalt in "der äußersten Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen herrschen", bedeutet.
      Kann aber ein solches Urteil richtig sein? – Drückt es nicht den genauen Gegensatz der Liebe zum Nächsten aus, welche "die Erfüllung aller Gesetze" ist und die von den Kanzeln dieser Autoritäten als höchste wünschenswerte Form der Lebensweise gelehrt wird, ja, einer Lebensweise, die ihr Welterlöser am Kreuze Golgathas demonstrierte und die das einzig, absolut höchste Modell oder das einzige wirkliche Vorbild dafür ist, wie ein Leben geführt werden muss, das in Übereinstimmung mit der höchsten Vollkommenheit ist? – Wenn sie aber verkündet wird als "das Eine, was not tut", um in Übereinstimmung mit der Gottheit zu sein, muss dann nicht erst einmal gezeigt werden können, dass diese Gottheit selbst der Inbegriff dieser Vollkommenheit ist? – Muss nicht die Vorsehung die Kulmination dieser Liebe selbst sein? –
      Aber kann eine Vorsehung oder eine Gottheit liebevoll sein, die gemäß der Darstellung der geistigen Autoritäten einen Menschen als einen kleinen Embryo im Mutterleibe beginnen lässt, der danach von dieser Mutter mit "der Erbsünde" belastet zur Welt gebracht wird, d.h. belastet mit den Lastern und Fehlern der Mutter und des Vaters, und dann verlangt, dass dieses "Kind der Sünde" ganz anders als seine Eltern werden soll, von deren Fleisch und Blut es ein "Ableger" ist? – Ist das nicht dasselbe wie zu verlangen, dass ein Tigerjunge wie ein Lamm sein soll? – Kann ein Zebra andere Tiere als Zebrafüllen gebären? – Kann ein Kind eines Erdenmenschenpaares etwas anderes werden als ein Erdenmensch? – Kann man verlangen, dass es ein Engel wird? –
      Wenn nun aber die Vorsehung gemäß den Aussagen der geistlichen Autoritäten nichtsdestoweniger verlangt, dass ein solches Erdenmenschenkind "ewig verdammt" sein soll, "in die Hölle geworfen" werden soll, d.h. in ein Feuer, in dessen Flammen es sich in aller Ewigkeit vor Schmerzen krümmen soll, ohne je die geringste Aussicht oder Möglichkeit auf Befreiung zu haben, bloß weil es das Kind eines Erdenmenschenpaares ist, dessen Natur, Willen und Lebensweise es also durch seine Geburt verurteilt wurde als seinen normalen Zustand zu besitzen und daher kein "Engel" sein kann, wird dann die von den Kanzeln gepredigte Lehre dieser kirchlichen Autoritäten nicht zu einem heidnischen Handhaben der wirklichen Wahrheit?
      Eine Gottheit, welche die Nachkommenschaft den Flammen übergibt, weil diese die Natur ihrer Eltern geerbt hat, muss ja als geisteskrank aufgefasst werden. Und die Sache wird nicht harmloser, wenn man gleichzeitig lehrt, dass diese Gottheit der "allweise" und "allmächtige" Schöpfer all dessen ist, was existiert. Sie hat also die Eltern und die Nachkommenschaft geschaffen und hat sie bewusst mit einer Natur und einer Lebensweise versehen, für die sie sie später – nicht etwa vernichtet, sondern – in einem ewigen Feuer peinigt. Die Gottheit hat die Nachkommenschaft also mit Absicht geschaffen, um sie in der Hölle zu peinigen. Ist das nicht eine Grausamkeit, die ihresgleichen sucht? – Ist das nicht die Höhe der "Perversität"? – Ist ein Genuss, der bewusst daraufhin abzielt, andere Wesen zu peinigen, nicht "Sadismus"? –
      Dass es heißt: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat", entkräftet ja in diesem Zusammenhang nicht die Auffassung, dass die Gottheit es genießt, andere leiden zu sehen. Sie verlangte also auf jeden Fall, Leiden zu sehen. Warum konnte ein "allmächtiger" Gott nicht "versöhnt" werden, ohne Leiden zu sehen? – Wie konnte es ihm gefallen, einen unschuldigen Mann leiden zu sehen? –
      Dass dieses Leiden "die Strafe" für "die Sünden" der Menschen sein sollte, macht die Sache auch nicht glorreicher. Es sieht ja beinahe so aus, als ob es für die Gottheit das absolut Wichtigste war, dass die Strafe überhaupt vollstreckt wurde. Es scheint weniger wichtig zu sein, wer die "Strafe" erleiden musste, ob er schuldig oder unschuldig war. Man stelle sich vor, etwas Derartiges würde im irdischen Rechtswesen eingeführt werden! – Kann es ein Ausdruck für Erhabenheit sein, dass man glücklich ist, wenn ein unschuldiger Mann für das Vergehen hingerichtet wird, das man selbst begangen hat? –
      Aber ist es nicht gerade ein solches Glück, das von den Kanzeln her verheißen wird? – Heißt es da nicht, dass wir nur durch "Jesu Blut" "Vergebung für unsere Sünden" bekommen können, d.h. mit anderen Worten, vom "Zorn" und von "der Strafe" Gottes befreit werden? –
      Und was ist dies für ein "Zorn" und für eine "Strafe"? – Kann ein Gott voller "Allliebe" zornig werden? – Es wird ja gelehrt, dass er der "allmächtige" und "allweise" Ursprung all dessen ist, was existiert. Er ist also der Schöpfer alles Erschaffenen. Kann aber der Schöpfer zornig auf das Erschaffene werden? – Ist das Erschaffene nicht zufriedenstellend ausgefallen, dann muss der Fehler ja bei ihm selber liegen. Auf einen Erdenmenschen böse zu werden, weil er die Natur eines Erdenmenschen hat und kein Engel ist, ist ja dasselbe, wie auf einen Tiger böse zu werden, weil er die Natur eines Tigers hat und nicht fromm wie ein Lamm ist. Da verkündet wird, dass Gott allweise ist, muss er ja schon vorher das Ergebnis gekannt haben, das also nur aufgrund bewusster Vorsätzlichkeit zustande gekommen sein kann. Aber damit hat Gott ja das betreffende Objekt von vornherein absichtlich zu dem Zwecke erschaffen, um es zum Gegenstand für seine Befriedigung dafür zu machen, Leiden zu sehen.
      Es ist klar, dass diese Autoritäten sich nicht selbst der äußersten logischen Konsequenzen ihrer Lehre und Auffassung bewusst sind. Sie können auf diesem religiösen Gebiet nicht analysieren oder wissenschaftlich forschen, sondern leben hier nur im Bereich des Glaubens.
      Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ein solches Schreckensbild einer Gottheit, wie es von ihnen gelehrt wird, Zweifel und Ungläubigkeit in jedem Wesen erwecken muss, das anfängt, das Leben selbst mit Hilfe des klaren Lichts der Logik oder des Verstandes anzusehen. Dass die Welt nicht durch eine Kirche "erlöst" werden kann, die ein solches Bild der höchsten Autorität anbetet, ist schon lange eine Tatsache; wozu denn sonst die Verheißung vom "Beistand, dem heiligen Geist"? – Bedeutet dies nicht ein Versprechen auf ein neues und besseres Wissen? – Und ist dieses Wissen nicht im höchsten Maße erforderlich? – Kann man sich vorstellen, dass ein wirklicher Friede und ein erhabenes, liebevolles Dasein auf den irdischen Kontinenten auf der Grundlage eines höchsten Ideals entwickelt werden kann, dessen oberste Gottheit durch ihre Kirche, durch ihre autorisierten Geistlichen, wenn auch natürlich ganz unbewusst, als die Höhe erdenmenschlicher Perversität, voller Fehler und Schwächen dargestellt wird? –
      Dass dieses Übel genau das Gegenteil dessen ist, was diese Diener des Herrn und Ausüber der Religion bewusst anstreben, beweist ja nur, dass diese selbst einer solchen Stufe der Unvollkommenheit entwachsen sind. Ist es nicht so, dass es Hunderte, ja wohl auch Tausende von Geistlichen gibt, die wirklich in den Fußspuren des Nazaräers wandeln, die sich zum Sprecher der Liebe machen und "das Wort" in glühendem, unerschütterlichen "Glauben" an eine absolut allliebende – und nicht an eine perverse, zornige und strafsüchtige – Gottheit verkünden? – Aber verhält es sich nicht derart, dass diesen Dienern der Liebe für ihre Verkündigung nur eine mittelalterliche und einem Naturmenschen angemessene primitive Terminologie zur Verfügung steht, welche die Gottheit nicht in allzu hohe, ihnen unfassbare Sphären erhebt, sondern sie oben genannte, menschliche Schwächen behalten lässt, deren äußerste Kulmination also die beschriebene Schattenseite der Erdenmenschen ist?
      Dass diese Terminologie nicht zufriedenstellend ist, zeigt sich auch im Seufzer "die Wege des Herrn sind unerforschlich". Liegt in ihm nicht ein Ruf danach, klaren Bescheid zu bekommen? – Wozu denn sonst dieser Ausdruck, der eigentlich eine Antwort enthält? – Wozu denn sonst dieser Ausbruch? Liegt nicht in ihm ein wehmütiger Schimmer von Hoffnung, dass sich alles zu guter letzt doch noch als "sehr gut" erweisen wird? – Und ist dieser Ausdruck nicht an sich eine Antwort auf einen missglückten Versuch, nicht zufriedenstellende Wahrheitsbegriffe zu entwirren? –
      Das Herz ist also kein Hindernis. Wohl aber das Wort, das die innersten Erwartungen oder Sehnsüchte des Herzens nicht auszudrücken vermag.
      Für diese Sehnsüchte, die an sich der innerste Kern aller Mentalität sind, gibt es also keine Wissenschaft, sondern nur die überlieferte primitive Terminologie, die einem mehr oder weniger heidnischen Zustand der Vergangenheit angepasst ist. Kein Wunder, dass man, in dem Maße wie man selbst der heidnischen Stufe der Vergangenheit angehört, auf die Buchstäblichkeit der oben genannten Terminologie schwört und, gleichgültig ob Geistlicher oder Laie, weit und breit allen denen "Tod" und "Hölle", "Heulen und Zähneknirschen" verspricht, die es wagen, auch nur die geringste Antipathie oder einen Argwohn gegen die drastische, lieblose Natur dieser Terminologie zu empfinden. Ja, es gibt sogar Geistliche, die den Krieg und seine Mordinstrumente segnen, was ja leicht aus besagter heidnischer Terminologie hergeleitet werden kann. Sie sind sich somit nicht darüber im Klaren, dass sie gerade den Menschen die Pforten der "Hölle" weit öffnen, die sie eigentlich erlösen wollen. Sie sind damit guten Glaubens die Diener "der Hölle", die sie in Wirklichkeit zu bekämpfen glauben. Dass es andere Geistliche gibt, die von ihren höheren Empfindungen daran gehindert werden, mit dieser Seite dieser peinlichen Terminologie zu sympathisieren, wird ja durch die Uneinigkeit und den Zwist offenbar, die nicht nur innerhalb der autorisierten Staatskirche, sondern auch in der ganzen religiösen Welt herrschen. Die religiösen Bewegungen bekriegen sich gegenseitig. Und die verschiedenen Sekten schwören je nach ihrer Primitivität auf den entsprechenden primitiven Teil der Terminologie und verwerfen oder missverstehen ihren erhabeneren Teil. Sie verteidigen hiermit ihre besondere Auffassung als die allein seligmachende und bezeichnen die der anderen mit Überzeugung als Irrtum oder als Weg zur Verdammnis. Es ist klar, dass all dies zu Chaos, Unglauben und Materialismus für die Außenstehenden führen muss, wie auch die Begriffe "Religion" und "Gottheit" für die klugen und entwickelten, wissenschaftlich eingestellten Menschen zu Inbegriffen von Naivität, Aberglaube oder geistiger Infantilität werden müssen. Und die religiöse Welt könnte hier ihrem Untergang entgegensehen, wenn nicht hochentwickelte Weise mit ihren unsterblichen Sätzen und Worten große Teile der heidnischen Terminologie zersplittert und deren geistige Tragkraft höchst unsicher gemacht hätten. Inmitten aller Berufung auf "Auge um Auge und Zahn um Zahn", inmitten aller Berufung auf Todesurteile und auf das Feuer der "Hölle", auf "den Teufel und seine Anhänger" haben diese hochentwickelten Wesen sanftmütig das himmlische Licht angezündet: "Steck dein Schwert in die Scheide, denn alle die zum Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen" – "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr zuteilt, wird euch zugeteilt werden" – "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" – "Geben ist seliger als nehmen" usw. – Diesen ewigen Worten kann nicht abgesprochen werden, dass sie Ausdruck für ein anderes Licht als jenes sind, das die alte heidnische Terminologie enthält. Sollte man nicht glauben, dass es dieses Licht ist, das die Welt "erlösen" kann? Und sollte man nicht glauben, dass dies der Weg ist, den alle die Seelen gehen müssen, die heute den mühsamen Weg des alten, überlebten, heidnischen Kults wandern, und der von der "christlichen" Kirche als der Weg zur ewigen Verdammnis prophezeit wird?
 


Mitten in den Berichten der kirchlichen Autoritäten über den "zornigen" Gott, der durch das Blut eines unschuldigen Wesens "versöhnt" werden muss, über den Gott, der zur Peinigung im ewigen Feuer der "Hölle" verurteilt, über den Gott, der Wesen in ewiger Verdammnis hinschmachten lässt, aus der es in aller Ewigkeit keinerlei Möglichkeit zur Rettung oder Erlösung gibt, bloß weil das Wesen in einer solchen Sekunde der Ewigkeit, die sein physisches Erdenleben darstellt, das Kind eines Erdenmenschenpaares ist, und infolgedessen selbst ein Erdenmensch und kein "Engel" ist, über den Gott, der somit tatsächlich das Zebrafüllen straft, weil es gestreift ist, und das Tigerjunge misshandelt, weil es kein Lamm ist, mitten in dieser finsteren, heidnischen Atmosphäre sehen wir also einen starken Lichtstrahl aus einer viel höheren und reineren Sphäre hervorbrechen, aus einem Reich, das noch nicht von dieser Welt ist und wo keine Rede ist von "Strafen" oder "Böses mit Bösem" zu vergelten, sondern wo nur davon die Rede ist, "seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben", "lieber zu geben als zu nehmen", und wo die große Parole heißt: "du sollst nicht töten". In einer solchen Welt muss eine andere Auffassung von der Gottheit walten. Dass diese neue Atmosphäre wirklich existiert, dass dieser neue geistige Lichtschein eine Tatsache ist, das sieht man u.a. an den vielen Kreuzen auf den Friedhöfen des Weltkriegs. Alle, die im Kriege fallen, haben ja die Forderung der heidnischen Götter erfüllt, haben das zur Kulmination ausgeführt, was sie zum "Schweinebraten" und "Met", zu "Walküren" und anderen Gunstbezeugungen der Götter von "Walhalla" berechtigt. Diese Millionen von Gräbern sind also in Wirklichkeit die irdischen Hinterlassenschaften der Söhne "Walhallas", der Wesen, die das Wohlgefallen der Götter genießen. Warum setzt man dann das Zeichen des Kreuzes auf diese Gräber? – Ist das nicht beschämend? – Das Kreuz ist doch das Symbol einer Welt geworden, deren tragendes Lebensprinzip das Gegenteil des Tötens ist und deren höchstes Ideal es ist, die linke Wange darzubieten, wenn jemand einen Streich auf die rechte gibt. Es ist somit das Symbol eines geistigen Zustands, der niemals seinem Urheber das Wohlgefallen der Kriegsgötter schenkt. Es bleibt also nur die Tatsache übrig, dass das "Himmelreich", das sich diese "Helden" erworben haben, nicht mehr hoch im Kurse der Hinterbliebenen steht und dass das Errichten des Kreuzeszeichens auf den Gräbern tatsächlich ein stillschweigender und vielleicht auch noch unbewusster Protest gegen die heidnische Weltanschauung ist.
      Auch muss es als recht beschämend betrachtet werden, dass dasselbe Kreuz auf vielen Bannern der Kriegsführung selbst zu finden und auf Festungen zu Wasser und zu Land aufgepflanzt ist, beim Donnern der Kanonen im Winde flattert und den Priester schmückt, der eine Hinrichtung segnen soll. Dass diese überlieferten heidnischen Erscheinungen unter dem Zeichen des Kreuzes stattfinden, also unter dem Zeichen für die Abschaffung des tötenden Prinzips, unter dem Zeichen des Untergangs der heidnischen Kultur, kann nichts anderes sein als ein unumstößlicher Ausdruck der Tatsache, dass eine neue geistige Sphäre beginnt, mitten im heidnischen Kult ein Machtfaktor zu werden, und obendrein so leuchtend in Erscheinung tritt, dass man den heidnischen Kult umgetauft und ihm den Namen "Christentum" gegeben hat, der ja der offizielle Name der neuen Weltanschauung ist, und dass man, wie gesagt, außerdem das offizielle Kennzeichen dieser Sphäre, "das Kreuz", als Deckmantel für die heidnischen Traditionen benutzt.
      Selbstverständlich sind Name und Kennzeichen dieser hohen Sphäre durch diese Besudelung nicht beliebt geworden. Diesen Namen und dieses Kennzeichen der erhabensten und reinsten Gesinnung der Liebe zum Ausdruck und Kennzeichen für heidnische Traditionen zu machen, ist ja genau dasselbe, wie Waren mit falschen Etiketten zu versehen. Wenn die Welt unter dem erhabenen und funkelnden "christlichen" Etikett immer wieder nur "Heidentum" findet, dann muss sie ja dieses "Etikett" hassen, das in diesem Falle immer nur falscher Flitter ist. Es verspricht "Brot", gibt aber nur "Steine". Denn man kann doch nicht behaupten, dass Länder, die Krieg führen, andere Völker erobern, ausplündern und unterjochen, dass Länder, die sich in höchstem Maße genialer Mordmaschinen bedienen, mit denen sie sowohl aus der Luft wie auf dem Wasser und auf dem Lande Tod und Schrecken über Tausende von Lebewesen verbreiten können, mit denen sie die Bevölkerungen ganzer Städte auslöschen oder ebenso viele Menschen zu lebenslänglichen Krüppeln, Witwen und Vaterlosen machen können, dass also diese Länder das größte Gebot des Christentums erfüllen: "du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", dass diese Länder anerkennen, dass "geben seliger ist als nehmen" oder nach dem Grundsatz handeln: "selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen"? –
      Dass diese Länder nichtsdestoweniger als "christliche Länder" bezeichnet werden, dass sie ihre Religion "Christentum" nennen und glauben, eine "christliche" Kultur auszuüben, zeigt ja nur, dass die "christliche" Lebensweise in Wirklichkeit das Ideal ist, womit ihre Lebensweise, ihr Wesen identisch sein sollte. Es gibt wohl niemanden, der es vorzieht und gern hat, als "Heide" bezeichnet zu werden. "Das Christentum" ist demnach die Zukunft, "das Heidentum" die Vergangenheit.
      Aber es ist nicht möglich durch eine bloße Namensänderung, die "heidnischen" Länder in "christliche" zu verwandeln. Diese Verwandlung kann nur durch Entwicklung vor sich gehen. Aber Entwicklung braucht Zeit. Und die Wesen stehen daher auch heute nur auf einer bestimmten Stufe dieser Entwicklung. Sie repräsentieren also in großem Ausmaß sowohl "Heidentum" als auch "Christentum". Und hier finden wir den Grund dazu, warum das "Kreuz" auf den Kriegsgräbern steht, warum der Geistliche die Mordwaffen segnet, "Hölle" und "ewige Verdammnis" predigt und gleichzeitig Nächstenliebe und Selbstlosigkeit verkündet, während er über eine "allliebende" Gottheit redet, die trotz allem "zornig" wird und mit einem unschuldigen Blutopfer "versöhnt" werden muss, damit sie die Wesen nicht in der "Hölle straft" und "peinigt", wobei gleichzeitig vom Weg, der zu dieser Gottheit führt, gesagt wird, dass er ausschließlich durch die absolut allerhöchste Reinheit des Herzens und durch die Fähigkeit führt, seinem Nächsten vergeben zu können.
      Alles steht also im Zeichen des Widerspruches. Was ist "Heidentum" und was ist "Christentum"? – Dass unter solchen Verhältnissen Zweifel und Unglaube immer mehr gedeihen müssen, ist ja ganz natürlich. Und dass dieser so wohlbegründete und aufgrund der Verhältnisse so natürliche Unglaube und Zweifel mit einem ewigen "Brennen" im Feuer der "Hölle", mit "ewiger" Verdammnis "gestraft" werden soll, aus der es keinerlei Möglichkeit zur Rettung gibt, ist unnatürlich, d.h. im Widerspruch mit der Logik und der Liebe, die sich im Leben selbst offenbaren, jenseits allen Predigens der Geistlichen und jenseits der primitiven erdenmenschlichen Auffassung, Unvollkommenheit und des Aberglaubens.
 


Wo sollen die unermesslichen Scharen der modernen Ungläubigen, all die Millionen von Wesen, die heute nicht an Gott glauben und nicht die Dogmen akzeptieren können, weil diese mit ihren Höllen- und Verdammnisurteilen, mit ihren Zorn und Strafankündigungen für moderne Intellektualität zu veralteter Terminologie geworden sind, Zuflucht suchen? Alles Religiöse oder der Begriff Gott wird durch diese Terminologie für den modernen Menschen zum Gipfel von Naivität.
      Da sich aber eine Auffassung, die den Begriff "Gottheit" als Ausdruck von Naivität betrachtet, so weit wie überhaupt möglich von der wirklichen Wahrheit entfernt hat, weil sie ja auf keinerlei Weise eine wirkliche Analyse der Gottheit ist, sondern nur aufgrund des beginnenden vernunftmäßigen Durchschauens der überlieferten, veralteten und primitiven Terminologie entstand, kann kein Mensch auf die Dauer mit einer solchen Auffassung leben. Eine Analyse der Terminologie ist keine Analyse der Gottheit. Sie kann nie etwas anderes sein als ein indirekter Ausdruck des Grades der Ideologie, den der Urheber der Terminologie repräsentiert. Dass das Werk dieser Urheber, wenn es einer modernen wissenschaftlichen Intellektualität gegenübergestellt wird, Unwissenheit und Aberglauben offenbart, kann nie und nimmer eine berechtigte intellektuelle Grundlage für ein Abweisen der Erkenntnis von der Existenz einer Gottheit sein oder werden. Ein solches Abweisen beweist unvermeidlich, dass die Betreffenden ebenso naiv oder abergläubisch sind wie die Urheber der veralteten Terminologie, gleichgültig, welch hohe intellektuelle Position oder wissenschaftliche Autorität sie im täglichen Leben auch einnehmen mögen. Ein Ableugnen der Gottheit muss genauso wie deren Anerkennen mit realen Beweisen unterbaut sein, um als Wissenschaft anerkannt werden zu können. Jedes Ableugnen, das sich nicht auf Beweise stützt, sind leere Worte, ist genauso ein Glaubensdogma wie jede Anerkennung, der die Beweisführung fehlt. Und der wirklich entwickelte, wissenschaftlich eingestellte Mensch kann nicht im Glauben allein leben, er sucht Beweisführung für jede Erkenntnis. Das große Problem für ein derartig eingestelltes Wesen ist demnach, ob Beweise für die Existenz einer Gottheit und für die wirkliche kosmische Identität der Lebewesen derart erbracht werden können, dass man auf diesen Gebieten mit genauso wirklichen und realistischen Fakten leben kann, wie man es sonst von allen physischen Erscheinungen des täglichen Lebens verlangt. Hierdurch muss die sogenannte "geistige Welt" aus der Schattenwelt des Unterbewusstseins in die klare oder wache Aktivität oder Wirklichkeit des Tagesbewusstseins gerückt werden. Und die Antwort auf diese Frage ist, dass nicht allein der Beweis für die Existenz der Gottheit, für die höchste kosmische Eigenschaft der Lebewesen und für die ewige Wahrheit erbracht werden kann, sondern dass diese Beweisführung sogar das Einzige ist, was im heutigen und im kommenden Dasein des Erdenmenschen nottut. Diese Beweisführung ist "die Erlösung der Welt". Ohne diese Beweisführung gibt es keinen absolut andauernden Frieden auf der Erde, keine Abschaffung von Krieg und Terror, kein Aufhören aller jener Leiden, welche die Welt jetzt in Form von Verletzungen, Krankheit, Armut, Trauer und Sinneskrankheiten martern.
      Um aber eine solche Beweisführung sehen oder verstehen zu können, müssen die Menschen ausgebildet oder fortgebildet werden. Diese Ausbildung wird in größtem Ausmaß vom Leben oder von der Natur selbst mit all den Erfahrungen durchgeführt, die den Lebewesen zuteil werden. Dies gilt sowohl für die Leiden als auch die Annehmlichkeiten. Die Existenz der Gottheit zu verstehen heißt, den ganzen Weltplan zu verstehen. Ein solcher Plan jedoch umfasst alles, was es gibt, sowohl Gefühl als auch Intelligenz, Instinkt, Intuition usw. Und der Mensch muss auf diesen Gebieten ausgebildet werden. Durch Leiden entwickelt sich das Gefühl des Menschen, und durch den Kampf ums Dasein entwickeln sich die Intelligenz und die übrigen Eigenschaften des Bewusstseins. Und durch ein ausreichendes Erleben in der Schule des Lebens selbst erreicht jeder Mensch einmal ein Stadium, wo er aufgrund seiner realistisch gemachten Erfahrungen theoretischen Unterricht oder theoretische Anleitung entgegennehmen kann. Er hat durch seine wissenschaftliche Einstellung Anlagen oder Talente erhalten, um sich zur allerhöchsten Weisheit fortbilden zu können. Er fängt an, "Gott schauen" zu können. Und auf dieser Stufe steht der moderne Mensch. Er ist der Vertreter der "kommenden Geschlechter", die, wie Christus verheißen hat, über das Mysterium des Daseins durch den "Beistand, den Heiligen Geist" Bescheid bekommen sollten, der dasselbe ist wie das absolute Wissen über Gott. "Der Heilige Geist" ist in Wirklichkeit dasselbe wie die absolut unerschütterliche, ewige Antwort auf die alles durchdringende und ebenso ewige, große Frage "Was ist Wahrheit?"
      Diese Antwort kann absolut nur von der Gottheit selbst in Form dessen, was wir "die Natur" nennen, ausgesprochen werden. Die Natur selbst ist demnach Gottes eigene realistische Antwort auf alle Fragen des Lebens. Die Natur ist die einzige absolut wahre Bibel der Welt. Sie ist das Buch des Lebens. In diesem Buch richtig zu lesen, so dass man sieht, dass "alles sehr gut ist", ist das heutige Ziel der Welterlösung. Da diese Form des "Lesens" für den modernen, suchenden und wissenschaftlich eingestellten Menschen so ungeheuer wichtig ist, habe ich mich veranlasst gesehen, dieses Buch zu schreiben. Sein Hauptzweck ist also nur, dem Suchenden zu helfen, logisch zu denken, d.h. in Übereinstimmung mit der Natur und damit in Übereinstimmung mit der Liebe und dem Leben zu denken. Es hat zur Aufgabe, die Menschen auf die Analyse der Erfahrungen und Tatsachen einzustellen, deren wahres Verstehen absolut notwendig ist, wenn man sich Hoffnung machen will, jemals sehen zu können, dass das Leben oder die Natur wirklich einen Sinn hat, der nicht nur vollständige Intellektualität, sondern auch die Offenbarung einer ebenso verschwenderischen Liebe ausdrückt, und dass deshalb die Natur durch ihre Identität mit einer "Lebensäußerung" eine ewige Gottheit zu einer wirklich wissenschaftlichen Tatsache macht. Liebe und Intellektualität können nämlich nie und nimmer etwas anderes sein als der unumstößliche Beweis für die Existenz eines Lebewesens. Das Lebewesen, das sich durch die Intellektualität und durch die Liebe der Natur äußert, kann nur eine ewige Gottheit sein.
      Das Buch "Logik" ist als ein Handbuch für Anfänger in der Erforschung der ewigen Probleme gedacht. Es regt die Entwicklung der Fähigkeit an, mein Hauptwerk "Livets Bog" zu verstehen.* Es weist all das Material auf, das dem modern eingestellten Menschen den Weg zum wirklichen Verständnis des Lebens zeigt. Es ist ein unerschütterlicher Hinweis darauf, welche wirklich logischen Folgerungen aus der Erfahrungszone des Erdenmenschen mit ihren Leiden und Beschwerden gezogen werden können. Diese Folgerungen sind vollständig in Übereinstimmung mit den von den größten Weisen ausgesprochenen Wahrheiten, die schließlich im Hauptfazit des Weltalls aufgehen: "alles ist sehr gut". Und dies kann ja auf den Suchenden nur inspirierend einwirken, namentlich, da sich das Buch in keinem einzigen Fall auf blinde Behauptungen stützt, sondern nur zusammenhängende, logische Schlussfolgerungen zeigt, die vom wirklich intellektuellen und unparteiischen Wahrheitssucher nachgeprüft und kontrolliert werden können. Es ist eine erste Abrechnung mit dem rein materiellen oder physischen Erfahrungsmaterial des Erdenmenschen. Es zeigt den Platz oder das Verhältnis, welches dieses Material im kosmischen Weltplan einnimmt, sein Zusammenwirken mit der Natur selbst. Es ist Wissenschaft aufgrund des Umstands, dass sein Inhalt als eine detaillierte und von anderen kontrollierbare Begründung dieser Ergebnisse in Erscheinung tritt.
      Dass diese Ergebnisse von denen der allgemeinen Wissenschaft dadurch abweichen, dass sie nicht in Maß und Gewicht erscheinen, sondern alle Energieentfaltung der Natur als – "Lebensäußerungen" ausdrücken, d.h. als "geistige" Energie, durch welche die Natur lebend wird und die Ausdruck für das Bewusstsein oder für dasselbe Leben wird, das sich in der Bewegung, in der Kraft und Willensentfaltung eines jeden Lebewesens zeigt, das kann ja nur in Übereinstimmung mit der höchsten Zielsetzung aller Wissenschaft sein. Denn jede Wissenschaft, die ihre Untersuchungs- oder Analysenreihe abbricht, bevor dieses Ziel erreicht ist, und die daher ihre Ergebnisse nur in Gestalt von Maß- und Gewichtseinheiten ausdrücken kann, ist wie ein Fluss, der in seinem Lauf aufgehalten wird. Der Schlamm der Illusion dämmt hier den Lauf ein. Der Strom kann nicht den Ozean erreichen, sondern tritt über seine Ufer, kommt auf Abwege und schafft Katastrophen für das Leben, für das er eigentlich der Weg zum Glück und zur Inspiration sein sollte.
 
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* A.d.Ü. "Livets Bog", sprich Liwets Boh, d.i. "Das Buch des Lebens".


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