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Logik - Inhaltsverzeichnis   

 

 

84. Kapitel

Was notwendig ist, um ein wirklicher "Christ" oder ein wahrer Mensch zu sein  Es lässt sich nicht leugnen, dass gerade heute der heidnische religiöse Kult der Vorzeit die Mentalität der Erdenmenschheit beherrscht. Ist es nicht die vornehmste Pflicht des Generals, den "Feind" zu unterjochen, zu zermetzeln, zu töten oder zu vernichten? – Ist aber diese seine Pflicht nicht gleichzeitig ein autorisierter Ausdruck seines Vorgesetzen, d.h. seiner Nation, deren Moral oder höchsten Auffassung von Idealismus? – Ist jedoch ein Mann, der eingesetzt ist, die höchste Moral eines Volkes, dessen höchsten Idealismus zu repräsentieren, nicht dasselbe wie ein "Priester"? – Und ist die praktische Durchführung dieser Repräsentation nicht ein "religiöser" Kult?
      Die durch Jahrtausende hindurch stark wirksamen Weltreligionen sind also bis heute noch nicht mit dem "heidnischen" religiösen Kult fertig geworden. Er machte ungehindert seinen Siegeszug durch die ganze Welt und hat alles in seiner kolossalen Umarmung mit sich gerissen. Er hatte noch nie so große Heerscharen von Vorkämpfern wie heute. Seine Siegesfahne ist die "Intoleranz". Und wo in der Welt finden wir dieses "blutige Banner" nicht gehisst? – Es flattert kräftig sowohl über den christlichen Sekten und Glaubensgemeinschaften als auch über den politischen Parteien, während es alle normalen Fahnen der verschiedenen Nationen und Staaten in den Schatten stellt. Es beherrscht alles auf den Kriegsschauplätzen, wo derselbe "heidnische" Kult in unseren Tagen eine Kulmination in Form von Menschenopfern und Totentanz erlebt. Ähnliches hat es in der früheren Geschichte der Erde niemals gegeben. –
      Ja, die heidnischen Götter haben eine Glanzperiode. Die Erdenmenschen haben ihnen nie zuvor so treu, so realistisch und so absolut gedient wie gerade jetzt. Der "heidnische" religiöse Kult ist das einzig Konkrete in ihrem Dasein. Alles, was mit Christentum, Geisteswissenschaft, Weltplan und höchster Moral zu tun hat, ist im überwiegenden Maße nur abstrakt.
      Die Erdenmenschen sind also heute absolut "heidnisch". Dies gilt natürlich auch für alle die Wesen, die sich Jahrhunderte hindurch "Christen" genannt haben. Solange man nicht versteht, dass "Christentum" ein auf Geisteswissenschaft beruhendes Dasein ist, dessen Logik oder Planmäßigkeit vollkommen mit derjenigen Logik in Übereinstimmung steht, die sich als Grundlage für die Farbenpracht der Blumen auf der Wiese, für den Kreislauf des Wassers in der Natur und für den Pulsschlag des Blutes in unserem eigenen Innern offenbart, so lange ist man kein "Christ". Solange man nichts vom göttlichen Weltplan oder von oben genannter Logik weiß und nur darauf angewiesen ist, auf der Grundlage des Begehrens, blinder Instinkte und physischer Machtüberlegenheit zu handeln, so lange ist man ein "Tier". –
      Wenn dieses "Tier" so weit gekommen ist, sein primitives Wesen als höchste Moral oder höchsten Idealismus auszulegen, dann ist es ein "Erdenmensch". – Und solange die Moral und der Idealismus dieses Wesens eine Inspiration für es selbst ist, das fünfte Gebot zu übertreten, ein Glaube an einen Gott ist, der eine glühende "Hölle" parat hat, um im Zorn alle die Wesen "ewige Verdammnis", "Weinen, Heulen und Zähneknirschen" auskosten zu lassen, die er auf rein erdenmenschliche Weise ja demnach als "Feinde" ansehen muss, so lange ist dieses Wesen ein "Heide". Wenn man so weit vorangekommen ist, "seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben", was ja die Kulmination von Liebe ist und damit "die Erfüllung aller Gesetze" oder die vollkommene Durchführung der Logik des Weltplans, dann ist man "ein wahrer Mensch".


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