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(1-69) 
 
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Die Menschheit und das Weltbild - Inhaltsverzeichnis   

 

 
1. Kapitel
Das gefühlsbetonte Weltbild der Religionen kann die Menschheit nicht erlösen
Das allerhöchste Objekt für den Wissensdurst und das Fassungsvermögen der Menschheit ist die Lösung des Lebensmysteriums, in welchem sie lebt. Da die Aneignung dieser Lösung, d.h. die Klarlegung des ewigen Weltbildes, eine Frage des intellektuellen Fassungsvermögens des Einzelnen ist, wird diese Aneignung für die Menschheit somit zu einer Frage der Entwicklung. Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken, dann können wir uns davon überzeugen, dass ihr Verhältnis zum Weltbild nur eine allmählich anwachsende Horizonterweiterung erkennen lässt. Weltbild oder Weltanschauung nach Weltanschauung mussten einander ablösen, um jedes Mal einem neuen und zeitgemäßeren Weltbild Platz zu machen.
      Ein Blick auf diese vergangenen Weltanschauungen zeigt uns, dass sie nicht entstanden sind, um einen stark intelligenzbetonten Skeptiker zufriedenzustellen. Sie sind keine wissenschaftlichen oder realistischen Untersuchungen des Lebensmysteriums. Sie können an sich dem modernen, wissenschaftlich eingestellten Menschen von heute mit seinen Fragen nach einem Weltbild keine auch nur annähernd vollständige Antwort geben. Es steht jedoch außer Zweifel, dass diese vergangenen Weltanschauungen einmal vollständig zufriedenstellende Antworten auf Fragen aus den menschlichen Stadien einfältiger oder intelligenzarmer, aber stark gefühlsbetonter Bewusstseinslagen gaben, die die Völker jener Zeiten hatten. Wir können also daraus erkennen, dass das Begehren oder der Drang nach der Lösung des Lebensmysteriums so stark war, dass es im Menschen entstand, lange bevor er intelligenzmäßiges Fassungsvermögen über die Dinge hinaus erhielt, die den Kampf ums tägliche Brot betrafen. Wenn aber dieser Drang im Menschen vorhanden war, bevor er nennenswerte intellektuelle Fähigkeiten hatte, mit denen er die Lösung des Lebensmysteriums erfassen konnte, dann wird es zur Tatsache, dass dieser Drang nicht nur ein Wissensdurst, sondern in ebenso hohem Maße auch ein Hunger nach der Zufriedenstellung des Gefühls war. Daher kann man verstehen, dass diese Weltanschauungen in einem Zeitraum, wo man noch keine hervorragende Intelligenz besaß, mehr auf die Zufriedenstellung des Gefühls als der Intelligenz ausgerichtet waren. Und macht sich nicht dasselbe bis in unsere Tage geltend? Was meint man von den heute herrschenden Weltreligionen mit dem Christentum an der Spitze? Ist das Weltbild oder die Weltanschauung dieser Religionen nicht in eine Terminologie gehüllt, die sozusagen ganz negativ oder unmöglich ist, wenn es sich darum handelt, den intelligenten Skeptiker intellektuell oder wissenschaftlich zufriedenzustellen? Diese ganze Gruppe von Menschen, die besonders intelligenzbetont und daher wissenschaftlich eingestellt ist, ist "ungläubig", ist von der Kirche und ihren Traditionen "abtrünnig" geworden. Diese Menschen betrachten sich fast als "Gottlose". Was natürlich nicht bedeutet, dass sie "böse" oder "unmoralisch" sind, ganz im Gegenteil. Es gibt viele "Gottlose" mit einer viel größeren oder humaneren Moral und Ethik als manch ein "Gläubiger" oder offensichtlicher Frommer.
      Dass die Menschheit in zwei Lager geteilt ist, die "Religiösen" und die "Irreligiösen", die "Gläubigen" und die "Ungläubigen", und dass außerdem die Gruppe der "Ungläubigen" zunimmt, während die der "Gläubigen" abnimmt, so dass ihre Kirchen und Tempel bei den Gottesdiensten eine immer gähnender Leere aufweisen, beweist aber, dass sich die Zusammengehörigkeit der Menschheit mit den verborgenen Seiten des Lebens, mit dem Lebensmysterium oder Weltbild auflöst. Die gefühlsmäßige Verbindung oder die Zusammengehörigkeit mit dem Weltbild und mit den hierher gehörenden ewigen Tatsachen, die der Mensch kraft seines Glaubens früher besaß, hat der "ungläubige" Mensch nicht mehr. Sie sind durch den Zweifel, den seine spätere Entwicklung der Intelligenz mit sich brachte, untergraben oder zerstört worden.


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