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Die Erschaffung der Kultur - Inhaltsverzeichnis   

 

 
19. KAPITEL
Da die materialistische Überbegabung eine religiöse oder psychische Unterbegabung schuf, wurden die Weltreligionen entvölkert
Das oben genannte Aneignen von Wissen wurde immer mehr zu einer Lebensbedingung. Zum Schluss baute der Staat selbst Schulen und führte die Schulpflicht ein. Alle mussten schon in jungen Jahren anfangen, zu lernen und nochmals zu lernen. Kleine Kinder wandern heute mit einem Haufen verschiedenster Lehrbücher, die sie viele Stunden am Tag studieren, zur Schule, um dadurch in das notwendige Wissen und Können der modernen Kultur eingeführt zu werden. Und dieser Schulbesuch, dieser Unterricht setzt sich für viele bis hinauf ins erwachsene oder reife Alter fort. Dass dies eine große Verwandlung in der menschlichen Mentalität verursacht, ist klar. Das Gehirn arbeitet unter Hochdruck an Überlegungen, Analysen, Studien, arbeitet mit dem Lesen, Schreiben, Berechnen und an fachlicher Ausbildung usw. Dass der Mensch sich in einem solchen sagenhaften Ausmaß mit konkretem Wissen beschäftigt, musste natürlich bewirken, dass er abstraktes Wissen immer mehr ignorierte. Ja, man rechnete zum Schluss absolut nicht mehr mit etwas, was nicht auf die eine oder andere Weise gemessen oder gewogen werden konnte. Deshalb wurden die Dogmen und Wahrheiten der Religionen, die ja nicht als wissenschaftlich untermauertes konkretes Wissen existierten, mit dem sie ebenso kontrolliert und erforscht werden konnten wie die materiellen Erscheinungen, als Ausschlag von Naivität und Aberglauben betrachtet und konnten deshalb nur als unwirklich angesehen werden. Man wusste ja nicht und konnte auch nicht sehen, dass diese Dogmen oder Fazite in einem weit höheren und größeren Wahrnehmungsbereich lagen als das kleine lokale materielle Gebiet, auf dem man darin Experte geworden war, die Wahrheit zu kontrollieren. Deshalb konnte man nur das Konkrete oder materiell Greifbare akzeptieren. Mit dem, was nicht dazu gehörte, mochte man sich nicht beschäftigen. Sich mit etwas zu befassen, was nicht gewogen und gemessen werden konnte, was nicht in Zeit und Raum hervortrat, war etwas, was unter der eigenen Würde war. Der materielle Experte oder Gelehrte, der es wagte, auf diesen Gebieten zu arbeiten, konnte sehr wohl riskieren, seine gute Stellung auf dem materiellen Gebiet, auf dem er tatsächlich Experte war, zu verlieren. Wenn er sich dazu herabließ, sich mit so naiven Erscheinungen wie religiösen Dogmen und Behauptungen zu beschäftigen, musste er naiv sein, meinte man. Und dann nahm man ihn nicht mehr so sehr ernst. Und so kam es, dass die tagesbewusste Religiosität ihren bisherigen Halt und damit ihre Macht im Menschen verlieren musste. Dies musste natürlich wiederum zur äußeren Degeneration und Entvölkerung der überlieferten religiösen Traditionen führen. Diese religiöse Entvölkerung findet nicht nur innerhalb der christlichen Kirchen statt. Sie wird auch immer mehr im Bereich der anderen großen Weltreligionen stattfinden, wenn die intellektuelle Entwicklung auch dort zu einer Lebensbedingung wird. Die Menschen in jenen Bereichen sind auch schon zielstrebig auf dem Weg, materialistische Akademiker und dadurch Zweifler und Gottesleugner zu werden wie in den christlichen Ländern. Die intellektuelle Entwicklung und damit die beruflich-fachliche Entwicklung werden auch in diesen Ländern zu einer Lebensbedingung werden. Diejenigen, die keinen materialistischen Unterricht und keine materialistische Fachausbildung bekommen haben, können auch hier nicht damit rechnen, sich über das Proletariat in der modernen Kultur zu erheben, die auch hier schon längst begonnen hat, zur Wirkung zu kommen. Die Einstellung der Menschen zum Religiösen oder zum Psychischen ist also aufgrund ihrer materialistischen Überbegabung beinahe zu einem totalen Stillstand, beinahe zur totalen Stagnation gekommen.


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