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Die Erschaffung der Kultur - Inhaltsverzeichnis   

 

 
21. KAPITEL
Macht statt Recht
Die Inspiration zu humaner Lebensführung oder menschenliebender Wesensart und der Kampf für Recht und wahre Gerechtigkeit in der modernen politischen Interessensphäre werden in einem allzu überwiegenden Ausmaß durch den Kampf um die Macht gehemmt. Je mehr Macht man sich aneignen kann oder besitzt, desto mehr kann man auf Kosten anderer leben, die Früchte der Fähigkeiten anderer ernten, von dem Schweiß und der Arbeit seines Nächsten leben, ohne auch das Geringste als Gegenleistung dafür zu geben. Ist es nicht gerade die Machtpolitik – und nicht die Rechtspolitik –, die noch den wahren Verteilungsfaktor aller Gesellschaftswerte ausmacht? Sind da nicht außerordentlich große Bereiche in der modernen Weltkultur, die deutlich von Macht und nicht von moralischem Recht entschieden werden? Gibt es heute in der Welt Landesgrenzen, die nicht durch Macht gezogen worden sind, bestimmt von Siegern, entschieden und festgelegt von Nationen oder Völkern, die die besten Mord- oder Kriegswaffen, die besten tötenden Mittel und damit die größte Überlegenheit in rein materieller Machtentfaltung hatten, ohne irgendeine entsprechende fundamentale Einsicht in das zu haben, was in den gegebenen Situationen gemäß dem Gesetz der Nächstenliebe wirklich moralisch berechtigt oder unberechtigt war? Deshalb wurde das Machtgefühl mehr als das Rechtsgefühl entscheidend in der Willensführung der überlegenen Machthaber und Eroberer. Aber eine Willensführung basierend auf Machtgefühl ohne Rechtsgefühl ist an sich eine rein tierische Manifestation. Die Tiere kennen kein Recht. Für sie gilt, dass jeder sich selbst am nächsten ist. Wenn jedoch diese Machtentfaltung ohne Rechtsgefühl beim Menschen mithilfe von entwickelter Intelligenz intellektualisiert wird, wird sie so raffiniert mörderisch, verletzend und zerstörend, dass sie nicht mehr "tierisch" genannt werden kann. Dazu ist sie nun allzu genial und der Tiermentalität überlegen. Welches Tier kann es mit dem modernen Menschen in all seiner intellektualisierten Mobilisierung des tötenden oder mörderischen Wissens und Könnens aufnehmen? Man kann jedoch auch nicht diese überdimensionale, auf Machtgefühl ohne Rechtsgefühl basierende Todesmentalität, die rücksichtslos das Gesetz für rein "menschliches" Verhalten ignoriert ‒ nämlich das fünfte Gebot "du sollst nicht töten" ‒ zu Recht als rein "menschliche" Mentalität bezeichnen. Die wirklich "menschliche" Mentalität oder Psyche, die das Abbild Gottes, ihm gleichend sein soll, kann kein Bewusstsein sein, dessen vornehmstes und größtes Schutzmittel oder Lebensfundament eine überdimensionale Sabotage oder Vernichtung von Leben und Lebensmöglichkeiten ist. Diese mehr auf Machtgefühl als auf Rechtsgefühl basierende erdenmenschliche Mentalität kann also, gegründet auf ihr intellektualisiertes Hervortreten, nicht "tierisch" genannt werden, wie sie auch nicht rein "menschlich" genannt werden kann, weil eine wahrhaft menschliche Wesensart als Abbild Gottes in keinerlei Situation das eigene Leben durch Niedersäbeln oder Sabotage am Leben und an den Lebensmöglichkeiten anderer Lebewesen schützt oder aufrechterhält. Wenn jedoch eine mehr aufgrund eines solchen Machtgefühls als aufgrund eines Rechtsgefühls intellektualisierte Mentalität oder Psyche weder rein "tierisch" noch rein "menschlich" ist, was ist sie dann? Ja, dann ist sie etwas ganz anderes, was man innerhalb der modernen Weltkultur von heute sicher nicht mit großem Wohlgefallen betrachten wird. Sie ist nichts weniger als das, was in der Bibel in Form von Begriffen wie "Teufel", "Satan", "das Böse" und den dazu gehörenden mentalen Erscheinungen symbolisiert worden ist. Das ist etwas, was nur als "Teufelsbewusstsein" bezeichnet werden kann. Es dient jedoch als Entschuldigung für die Menschheit, dass dieser mentale Zustand ein unvermeidliches Stadium in der Entwicklungsepoche ist, das alle Lebewesen in ihrer Entwicklung vom Tier zum Menschen durchmachen müssen. Es ist dieses "Teufelsbewusstsein", dieser mehr auf Macht als auf Recht basierende erdenmenschliche Allgemeinzustand, diese unfertige Seite in der erdenmenschlichen Psyche, die dem unglücklichen Schicksal der gesamten Erdenmenschheit, ihrem Tag des Jüngsten Gerichts, ihrer Götterdämmerung, zugrunde liegen. Es ist dieser mentale Zustand, der ihre Unterdrücker und Unterdrückte, ihre allesbeherrschende ungleiche Verteilung der Lebenswerte erschafft, sodass Millionen und Abermillionen an Hunger, Armut, Not und Elend sterben, während andere Millionen an Völlerei, Verschwendung und Trägheit sterben. Millionen von Menschen können nicht so viel Arbeit bekommen, dass sie ihr tägliches Brot damit verdienen können, während andere Zugang dazu haben, tausend- und abertausendmal mehr zu "verdienen", als was für den täglichen normalen Lebensbedarf dieser Wesen notwendig ist. Sowohl die moderne Weltkultur als auch das Schicksal der einzelnen Erdenmenschen wird mehr oder weniger von diesem Teufelsbewusstsein oder diesem Machtgefühl ohne Rechtsgefühl diktiert. Es ist nicht verwunderlich, dass alle mit allen in Krieg geraten mussten.


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