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| Die Erschaffung der Kultur - Inhaltsverzeichnis |
4. KAPITEL
Weshalb die Unvollkommenheiten und Mängel der Kultur weder durch die Diktatur oder Machtentfaltung von Regierungen noch durch einzelne Personen geändert werden können
Die menschlichen Gesellschaftsverhältnisse, die diese inhumanen Erscheinungen hervorrufen können, werden von den Menschen der Zukunft nicht als Ausdruck von Kultur aufgefasst werden.
Man wird diese Gesellschaftsverhältnisse auch nicht als reine Primitivität auffassen.
Man wird diese Tötungsepoche der Menschheit vielmehr mit einem Begriff bezeichnen, der von vielen heutigen Menschen als eigentümlich betrachtet wird.
Man wird nämlich diese Epoche als "niedrigintellektuelle Epoche" bezeichnen.
In der Domäne des Zukunftsmenschen wird man, worauf wir später zurückkommen werden, einen völlig anderen und weit vollkommeneren Überblick über die menschliche Lebensbahn und den menschlichen Entwicklungszustand haben als den, der sich heute geltend macht.
Man wird natürlich von dort aus sehen, dass der riesige Kriegs- und Tötungszustand der gegenwärtigen Epoche absolut niemandem vorgeworfen werden kann, weder einzelnen Wesen noch Regierungen und Obrigkeiten.
Absolut keine Regierung, absolut kein Alleinherrscher oder Diktator, selbst wenn dieser Diktator ein eingeweihtes Wesen, ein Christuswesen wäre, wäre imstande, mit Macht eine plötzliche Änderung in der allgemeinen Gesellschaftsordnung der augenblicklichen Menschheit in einem solchen Format zu erschaffen, dass diese Gesellschaftsordnung plötzlich von einer Epoche der Kriege und des Leidens zu einer wahrhaft menschlichen Kultur werden würde, in der allgemeiner Frieden, Freude und Glück ungehemmt blühen könnten und wo Krieg, Not und Elend unbekannte Phänomene wären.
Die Erschaffung der Kultur ist nicht nur eine Frage von Administration, materiellen Vorschriften und Gesetzen.
Sie ist in einem noch größeren Ausmaß eine Frage von Ethik, von humanem Wissen und Können.
Aber Wissen und Können basieren auf Talenten.
Und Talente können nur langsam durch Wachstum entstehen, d.h. durch andauerndes Beschäftigen mit dem entsprechenden Bereich oder andauende Erfahrungsbildung in ihm.
Man kann eine Person nicht durch Diktatur zum Genie machen.
Nur eine beharrliche, andauernde Übung und Lust zur Übung kann eine Person nach und nach zum Höhepunkt des Könnens in dem entsprechenden Feld bringen.
Man kann jemandem vorschreiben, die Augen zu schließen oder ja oder nein zu sagen, aber man kann niemandem vorschreiben, ein Stück in einem Buch zu lesen, wenn diese Person nicht lesen gelernt hat.
Genauso wie man einem Analphabeten nicht sagen kann: "lies", und er dann liest, kann man auch nicht der Menschheit sagen: "sei völlig vollkommen in deiner Verhaltensweise", und sie ist plötzlich vollkommen in ihrem Hervortreten.
Selbst wenn die Menschheit sich von Herzen wünschen würde, nach diesem Befehl zu handeln, wäre es ihr völlig unmöglich, ihm nachzukommen.
Ein Wesen kann nur dann gezwungen werden, etwas vollkommen auszuführen, wenn es sich die dafür notwendige Fähigkeit und Begabung vorher angeeignet hat.
Keine Macht kann einen Menschen auffordern oder zwingen, eine Kulturbegabung aufzuweisen, die er nicht hat.
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