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Die Erschaffung der Kultur - Inhaltsverzeichnis   

 

 
8. KAPITEL
"Menschliche" Lebenspraxis in "menschlicher" Wesensart ist das absolut Einzige, was als wahre Kultur bezeichnet werden kann
Was den Menschen betrifft, steht dem absolut nichts entgegen, dass er sich der tierischen Lebensmethoden oder Tendenzen bedienen kann. Ja, er kann sogar kraft seiner weit mehr entwickelten Intelligenz tierische Verteidigungsmittel herstellen, die millionenfach stärker sind als sie beim Tier als natürliche "tierische" Verteidigungsmittel vorkommen. Da, wo das Tier den Kampf mit nur einem einzelnen lebensgefährlichen Gegner oder Feind aufnehmen kann, kann der Mensch das mit seiner entwickelten tierischen Verteidigungsmethode mit Millionen und Abermillionen von Feinden oder vermeintlichen Feinden tun. Was denkt man über die Auslöschung von Hiroshima und Nagasaki durch Atombomben? Und was denkt man über Wasserstoffbomben, deren Wirkungen schlichtweg ein Riesenformat im Verhältnis zu den ersten Atombomben darstellen? Die erste Form von Atombomben ist also dabei zu veralten. Sie sind nicht tödlich genug, sie sind nicht zerstörerisch genug. Glaubt man wirklich, diese Leben sabotierende Einstellung sei Kultur? Ist das nicht die tierische Verteidigungsmethode in Reinkultur und Genialität? Es ist richtig, dass es menschliche Begabung ist, die den Menschen befähigt hat, diese "tierische" Verteidigungsmethode zu diesem übernatürlichen Riesenformat zu erweitern, aber glaubt man wirklich, es sei der Sinn des Lebens, dass man "menschliche" Begabung dazu benutzt, die "tierischen" Fähigkeiten und damit in entsprechendem Maße die "tierische" Lebenspraxis in der "menschlichen" Wesensart zu vervielfältigen? Sollte man nicht eher glauben, dass es der Sinn des Lebens ist, die "menschliche" Begabung dafür zu benutzen, "menschliche" Talente und damit die Ausweitung der "menschlichen" Lebenspraxis in der "menschlichen" Wesensart und im "menschlichen" Dasein zu entwickeln und zu vervielfältigen? Nur menschliche Begabung zugunsten einer menschlichen Wesensart kann Kultur oder ein wahres "menschliches" Dasein oder das "Himmelreich" sein. Die Lebenspraxis des Tieres im menschlichen Wesen oder Dasein zu fördern, kann nur eine "Hölle" erschaffen. Die tierische Lebenspraxis kann niemals rechtmäßig ein Spitzenideal im menschlichen Dasein ausmachen. Sie kann nur ihre Urheber und Anhänger als zu den noch unfertigen und somit unterentwickelten Menschen gehörend enthüllen. Aber unterentwickelte Menschen können unmöglich eine fertige menschliche Kultur und Wesensart repräsentieren. So etwas zu verlangen, ist wiederum eine Enthüllung von mangelnder Entwicklung oder Primitivität bei dem, der dies verlangt. Dagegen werden Kulturprobleme ihrer wirklichen Lösung in dem Maße näherkommen, wie die Menschen zu der Erkenntnis dessen gelangen, dass ihre sogenannte Kultur nur eine unbewusste tierische Lebenspraxis in ihrem eigenen Wesen und Dasein ist.


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