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| Die Erschaffung der Kultur - Inhaltsverzeichnis |
DIE EPOCHE DER PRIMITIVITÄT
9. KAPITEL
Der Unterschied zwischen dem tierischen und dem menschlichen Lebensprinzip
Um ein klares Bild von der Erschaffung der Kultur als solcher zu bekommen, muss man sich die Entwicklung der Menschheit von ihrem schwachen beginnenden Übergang vom Tier zum Menschen bis zur menschlichen Wesensart der Gegenwart ansehen.
Dann wird man sehen, dass diese Entwicklung in drei besonderen, aufeinander folgenden, speziellen Abschnitten oder Epochen hervortritt.
Die erste dieser Epochen können wir die "Epoche der Primitivität" nennen.
Sie erstreckt sich wie gesagt von den ersten primitiven menschlichen Wesen bis hin zu den derzeitigen Naturmenschenstadien und hört auf in den mentalen Bereichen jener Menschen, die felsenfest an religiöse Dogmen ohne irgendwelche Forderungen an wirklich intellektuelle Bestätigung der Übereinstimmung dieser Dogmen mit der Wirklichkeit oder der absoluten Wahrheit glauben.
Das Fundament für die Weiterführung der Menschen war hier noch in großem Ausmaß der Instinkt plus eine beginnende Gefühlsentwicklung.
Die tierische, instinktmäßige Basis für das Menschenleben wurde dadurch zu einer Tatsache, dass es in überwiegendem Maße der tierische Selbsterhaltungstrieb war, der sich geltend machte oder das Leben und die Handlungen des Wesens diktierte.
Der tierische Selbsterhaltungstrieb basiert wiederum auf dem Macht- oder Überlegenheitsprinzip oder dem, was wir das "Recht des Stärkeren" nennen.
Beim Tier kommt es nicht darauf an, wer Recht hat, sondern vielmehr, wer der Stärkere ist.
Deshalb wurden die Stärksten, die Cleversten und diejenigen mit den schärfsten Sinnen die Herrschenden.
Hier konnte das Leben also nur durch Überlegenheit und Kampf aufrechterhalten werden.
Hier war es eine Lebensbedingung, dass man töten musste, um zu leben, was das Gegenteil des Prinzips ist, das im Leben des entwickelten oder vollkommenen Menschen gilt.
Während es beim Tier eine Lebensbedingung ist, dass "die Macht das Recht ist", ist es beim Menschen eine Lebensbedingung, dass "das Recht die Macht ist".
Da, wo Recht nicht Macht ist, befindet sich der Mensch im Stadium des Tieres.
Aber der Übergang vom Tier zum Menschen ist kein plötzlicher Sprung von einer Daseinsform hinüber in eine andere.
Es ist vielmehr eine Entwicklungsepoche, die sich über Millionen und Abermillionen von Jahren erstreckt.
Es ist die ganze Geschichte der Menschheit vom Affenwesen bis zum fertigen Christus-Wesen oder zum "Menschen als Abbild Gottes".
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